Aktives Fokussieren lernen

Aktives Fokussieren ist die einzige Fähigkeit, die du lernen musst, um weniger kurzsichtig zu werden. Eine Möglichkeit, wie das geht, zeige ich dir hier.

Bevor du hiermit herumprobierst, lies dir unbedingt durch, was ich überhaupt mit aktivem Fokussieren meine, was das für dein Sehen bedeutet und was dein Ziliarmuskel damit zu tun hat.

Aktives Fokussieren ist eine Fähigkeit, die jeder lernen kann. Auch du kannst es und hast es früher sogar schon gekonnt und gemacht. Nur hat im Laufe der Jahre dein Auge irgendwann damit aufgehört. Die Brillengläser waren so stark, dass es einfach nicht mehr nötig war.

Aktives Fokussieren – So gehts

Direkt ans Eingemachte. Alles was du brauchst, sind deine Augen und ein beliebiger Text (zum Beispiel den, den du gerade liest). Setze dein Brille ab und probiere folgendes:

  1. Gehe so nah an den Bildschirm heran, dass du den Text ohne Mühe perfekt scharf sehen kannst.
  2. Rücke langsam so weit weg, bis der Text anfängt, unscharf zu werden.
  3. Bleibe bei diesem Abstand. Der Text soll gerade so ein kleines Bisschen verschwommen sein.
  4. Stelle den Text scharf, ohne deinen Abstand zu verändern. Benutze deinen Ziliarmuskel.

Um den Text scharf zu bekommen, versuche die folgenden Dinge immer wieder, bis es klappt.

  • Blinzle kräftig und warte kurz.
  • Halte die Augen einige Sekunden geschlossen und öffne sie dann weit, ohne zu blinzeln.
  • Stelle den Text erst etwas unschärfer und dann wieder schärfer.

Hier ist dein Ziliarmuskel gefragt. Versuche jeden der genannten Punkte mehrmals hintereinander. Aber überanstrenge dich nicht. Nach spätestens 5-10 Minuten solltest du eine Pause machen.

Du versuchst herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn dein Auge fokussiert und wie du das bewusst kontrollieren kannst.

Übung macht den Meister

Probiere es immer und immer wieder. Das hier ist ein bisschen so, wie mit den Ohren zu wackeln. Es ist schwierig zu erklären, wie es geht, bis man es selbst herausgefunden hat. Du musst ein bisschen herumprobieren, bis es klappt. Unten habe ich dir noch ein paar Beschreibungen verlinkt.

Aktives Fokussieren

Mach dich aber nicht verrückt, wenn es nicht direkt klappt. Bei einigen klappt es sofort, andere brauchen ein paar Anläufe. Bei mir hat es einige Wochen gedauert, bis ich verstanden habe, wie es geht.

Sei dir bewusst, dass auch du es früher oder später hinbekommen wirst. Probiere es einfach immer und immer wieder aus. Wenn du es einmal geschafft hast, wird es mit jedem mal einfacher. Du bekommst mit der Zeit ein immer besseres Gefühl dafür.

Wie fühlt sich das an?

Für mich ist es fast so, als wären meine Augen eine Kamera, die versucht das Bild scharf zu stellen. Am Anfang geht es oft erst kurz in die falsche Richtung und das Bild wird unschärfer. Dann aber wechselt das Auge die Richtung und die Buchstaben werden schärfer. Probier es am besten direkt jetzt aus.

Deine Augen können mehr

Wenn du maximal bis zu einem Abstand von 20 cm zum Bildschirm scharf sehen kannst, geht es mit aktivem Fokussieren vielleicht auch bei 21 cm. Deine Augen sind keine starren Kugeln, die irgendwie kaputt sind. Sie können mehr als du glaubst.

Aktives Fokussieren

Ich hoffe, dass es bei dir gelappt hat. Falls nicht, bleib weiter dran. Schreib mir gerne einen Kommentar, wie es bei dir geklappt hat. Hast du vielleicht einen Tipp? Vergiss auch nicht, dich in den Newsletter einzutragen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Quellen / weitere Informationen

21 Kommentare

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  1. Kann man das aktive Fokussieren auch bei weiter entfernten Gegenständen lernen die man nicht komplett scharf stellen kann?

    Angenommen ich sehe ein Straßenschild in 50m Entfernung. Dieses werde ich sicherlich nicht komplett scharf sehen können, mit meinem 3-4 Dioptrien Kurzsichtigkeit. Aber es sollte doch möglich sein, es ein wenig schärfer zu bekommen durch das aktive Fokussieren.

    Gibt es noch andere Möglichkeiten das aktive Fokussieren wieder zu erlernen?

    • Hey Dilbert,

      meiner Meinung nach ist das erfolgreiche Scharfstellen ein essentieller Teil des aktiven Fokussierens.

      Aktives Fokussieren ist eher als Herausforderung an das Auge gedacht, doch noch ein kleines Stückchen weiter scharf zu fokussieren.

      Es macht also eher wenig Sinn das aktive Fokussieren mit Objekten zu üben, bei denen das Auge von Anfang an nie die Chance hatte, das Objekt scharf zu bekommen.

      Würdest du bei deinem Beispiel eine Brille mit eben nicht -3,00 dpt, sondern vielleicht nur -2,75 dpt tragen, könnte dein Auge die Herausforderung (Straßenschild in 50m Entfernung) noch erfolgreich bestehen und das Schild scharf stellen. Die Herausforderung muss zwar da sein, darf aber auch nicht zu groß sein.

      Viele Grüße
      Boris

  2. Kann man diese aktive Fokussieren auch durch Augentraining ersetzen? Es gibt da eine Übung bei der man etwas ganz Nah am Auge (10-15cm) anschaut und dann etwas weit entferntes, immer im Wechsel für 5 Sekunden. Damit muss das Auge alle 5 Sekunden zwischen Nah und Fern wechseln. Hat dies nicht den gleichen Effekt wie aktives Fokussieren?

    • Hey Dilbert,

      meiner Meinung nach zielen deine beschriebene Übung und aktives Fokussieren auf unterschiedliche Dinge hin.
      Zum einen übst du mit der Übung eher den schnellen Wechsel zwischen “nah” und “fern”, wobei du mit aktivem Fokussieren eher den Bereich in Richtung “weit” weiter auszureizen versuchst.

      Und zum anderen ist die langfristige Idee aktives Fokussieren als Gewohnheit zu etablieren. Das heißt irgendwann ist es ein: Objekt unscharf -> aktives Fokussieren -> scharf. Nicht nur in der Nähe, sondern praktisch immer und überall.
      Die Augenübung wiederum macht man dann so und so viele Minuten am Tag. Man muss sich überwinden, Zeit nehmen und konsequent sein. Aktives Fokussieren passiert irgendwann einfach von alleine.

      Ob du aktives Fokussieren durch die Übung ersetzen kannst, kann ich dir nicht vorhersagen. Ich denke nicht. Aber probier es gerne aus! Lass mich wissen, wenn es für dich funktioniert.

      Beste Grüße
      Boris

  3. Das sog. aktive Fokussieren basiert m. E. auf einen Automatismus. Wenn man ein Objekt eine gewisse Zeit lang wirklich in Ruhe ununterbrochen fixiert, nimmt das Unterbewusstsein an, dass es sich wohl um etwas Wichtiges handeln muss, wodurch sich die Bildintensität im Kopf erhöht und sich dadurch ein Entspannungseffekt ergibt.

    Die Fähigkeit, die man möglicherweise erst erlernen muss, ist das Fixieren. Man muss das Objekt so ansehen, als wenn es in diesem Zeitraum nichts Anderes auf der Welt gibt, das Wichtiger erscheint. Der Kopf muss also völlig frei sein. Ähnlich wie bei einer Hypnose muss man sich einfach nur “fallen lassen”. Ich habe diese Übung früher (als ich noch kurzsichtig war) die “2-3 Sek-Übung” genannt, denn in dieser Zeit passierte es jedes mal.

    • Hey Thomas,

      danke für deinen Kommentar und die interessante Sichtweise darauf! So habe ich das Ganze noch nie gesehen.

      Aber ja, das kann ich auch bestätigen. Tatsächlich hilft es, wenn man zum Einen entspannt und zum Anderen doch gleichzeitig voll auf das Objekt/den Text fixiert ist. Achtsam trifft es vermutlich ganz gut.

      Viele Grüße
      Boris

    • Hi Thomas,
      du schreibst “früher als ich noch kurzsichtig war”. Das ist ja interessant. Dass heißt du konntest deine Kurzsichtigkeit vollständig ablegen? Welche Werte hattest du denn?
      Lg

  4. Hallo Boris,

    juhuu, du bist wieder da! Ich freue mich wirklich sehr! Vielen Dank für deine Mühe, die du hier rein steckst. Leider will das aktive Fokussieren bei mir nicht so recht funktionieren. Bin ich zu ungeduldig (ich übe jetzt ca. 2,5 Wochen)? Gibt es sonst noch etwas, dass ich probieren könnte?
    Viele Grüße und weiter so, Martina

    • Hey Martina,

      ich freue mich auch! Und die Mühe stecke ich gerne hier rein 🙂

      Was du noch probieren könntest, wäre die 3-Punkte-Übung. Das geht auch in (am besten gut beleuchteten) Innenräumen oder einfach mit Blick durchs Fenster nach draußen.

      Das wäre nochmal eine ganz andere Herangehensweise, das aktive Fokussieren zu finden. Probiere es ruhig auch mal mit nahen Objekten, mit Objekten weiter weg, ohne Brille, mit Nahbrille aus. Sobald du auch nur die kleinste Veränderung in Richtung schärfer wahrnehmen kannst, ist es das auch schon. Das ist aktives Fokussieren. Bei den ersten Malen kommt es einfach zufällig. Bleib einfach dran. Am Anfang ist es wirklich sehr subtil und leicht zu übersehen. Mit der Zeit klappt es immer besser und kontrollierter.

      Schreib gerne nochmal, ob es dir geholfen hat 🙂

      Viele Grüße
      Boris

  5. Wie bereits oben angesprochen, ist aktives Fokussieren nichts Anderes als (nur) eine Form der erhöhten Wahrnehmung und Steigerung der internen Bildintensität (BINT). Tippe einmal mit deinem Zeigefinger langsam ca. 10-20 mal auf den Tisch und beobachte sehr genau(!) die BINT, wie diese sich verändert. Äußerlich sieht man immer dasselbe, aber die innere Intensität ändert sich, manchmal innerhalb einer Sekunde.

    Die BINT schwankt den gesamten Tag über bei jedem Menschen, je nachdem, wie er sich verhält und was er denkt. Eigenbewegungen eignen sich sehr gut für die bewusste Wahrnehmung der BINT, aber auch Eigengeräusche, wie Sprechen. Boris, schau dir jetzt mal deinen Bildschirm an und sage vielleicht: “Hallo!!…. Hallo!!….. Hallo, Boris!!”. Vielleicht musst du es wiederholen oder etwas lauter sprechen. Die BINT müsste sich aber kurz erhöhen.

    Will man seine Maßnahmen auf das Visuelle beschränken (was sich nicht empfiehlt), kann man sich bei Ansicht eines Objekts z. B. auch vorstellen, dieses nur für kurze Zeit sehen zu können und anschließend eine Skizze davon anfertigen zu müssen. Das müsste die Wahrnehmung erhöhen. Möglichkeiten gibt es sehr viele. Es ist aber immer dasselbe, was man damit auslöst!!!

    • Hmm also wenn das, was Thomas hier sagt, stimmt, dann würde das doch bedeuten, dass Boris’ These über das aktive Fokussieren falsch ist. Denn Boris sagt, es passiert dabei etwas im Auge bzw. beim Ziliarmuskel. Thomas hingegen sagt, wenn ich ihn richtig verstehe, dass sich dabei in Wahrheit gar nichts im Auge abspielt, sondern nur im Kopf die Wahrnehmung/”Bildintensität” erhöht. Letztes würde dann ja auch bedeuten, dass sich dadurch keine Verbesserungen am Sehapparat ergeben können.

      Was nun?

      • Hey Alex,

        es gibt tatsächlich auch ein paar Studien dazu, wie sich Aufmerksamkeit auf die Akkommodationsfähigkeit des Auges auswirkt. Die wollte ich demnächst mal sichten.

        Viele Grüße
        Boris

  6. Hallo Boris.
    Ich stelle immer wieder fest, daß beim aktiven Fokussieren die Kiefernmuskeln und die Gesichtsmuskeln sich etwas verspannen, obwohl ich versuche, nicht zu übertreiben und möglichst unverkrampft zu schauen.
    Hast Du diese Erfahrung auch schon gemacht?

    • Hey Micha,

      kenne ich persönlich bisher nicht. Ich vermute aber mal, dass sich das im Laufe der Zeit legen wird, weil einem das aktive Fokussieren auch immer einfacher von der Hand geht.

      Vermutlich wie bei jeder Bewegung, die man neu lernt. Erstmal ist es ein wenig unbeholfen und es bewegen sich zum Teil noch andere Muskeln mit, die man eigentlich gar nicht braucht. Wird mit der Zeit sicher besser.

      Viele Grüße
      Boris

  7. Hallo Micha

    Versuch einfach mal NICHT bewusst aktiv zu fokussieren. Einfach die Augen zu und langsam wieder aufmachen. Das Auge übernimmt das Fokussieren dann irgendwann ganz von alleine. Das merke ich besonders gut, wenn ich ohne Brille durch die Stand oder so gehe. Die Momente, in denen ich kurzzeitig besser sehe (aktiv fokussiere), kommen da ganz von alleine. Verlass dich einfach auf deine Augen.

    LG
    Peter

  8. Bei mir hat das aktive Fokussieren glaub ich auf Anhieb funktioniert. Allerdings verspüre ich dabei oft ein Brennen in den Augen. Ist das normal? Fühlt sich an, als würden meine Augen dabei plötzlich austrocknen. Aber selbst wenn ich mir direkt davor Augentropfen reinträufle, kommt das Brennen beim aktiven Fokussieren. Was ist das? Ist das der Zilliarmuskel, der sich entspannt/entkrampft?

    • Hey Alex,

      damit bist du nicht alleine. Viele berichten davon. Bei mir selbst war es anfangs auch so. Je entspannter der Ziliarmuskel insgesamt ist, desto weniger wird auch das Brennen/Austrocknen bis es schließlich ganz weg ist. Hin und wieder habe ich es immer noch, nämlich genau dann, wenn ich zuvor zu lange nah gearbeitet habe und dann wieder Fernsicht bekomme. Dann kommt genau dieses Brennen in den ersten paar Minuten zurück, bis sich mein Ziliarmuskel entspannt hat.

      Meine persönliche Verschwörungstheorie wäre, dass sich das Entspannen des Ziliarmuskels als Brennen bemerkbar macht. Der Muskel war jahre- oder sogar jahrzehntelang verspannt. Jetzt tut sich etwas im Auge, der Ziliarmuskel entspannt langsam und das macht sich scheinbar als brennendes Gefühl bemerkbar.

      Viele Grüße
      Boris

      • Ok, verstehe. Es ist bei mir übrigens auch so, dass ich, nachdem dieses Brennen kam, irrsinnig scharf sehen kann.

        Also das Brennen dauert bei mir so ca. 2-4 Sekunden, dann blinzle ich einmal kurz und boom – alles ist die nächsten ca 10 Sekunden viel schärfer – die Sehweite erhöht sich um bis zu 5 cm. Aber auch ganz weit entferne Objekte sind viel schärfer. Das einzige, was dann etwas stört, sind die durch das Brennen entstandenen Tränen ^^

      • Das wird, zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach, mit der Zeit auch moderater und immer weniger stark ausgeprägt.

  9. Und: macht es Sinn, das aktive Fokussieren nur mit dem linken bzw. nur mit dem rechten Auge zu üben (also das andere abgedeckt)? Oder immer mit beiden üben?

    • Kommt darauf an, welches Ziel du damit verfolgst. Einige (endmyopia, gettingstronger) empfehlen das zumindest, um eventuell vorhandene Dioptrieunterschiede zwischen linkem und rechtem Auge anzugleichen.

      Meiner Meinung nach wäre das allerdings ein fortgeschritteneres Thema.

      Viele Grüße
      Boris

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