Aktives Fokussieren

Um deine Kurzsichtigkeit in den Griff zu bekommen, brauchst du keine Superkräfte. Trotzdem gibt es eine Fähigkeit, ohne die es nicht geht: Aktives Fokussieren. Was das ist und wieso du sie brauchst, darum geht es hier.

Das hier ist wieder etwas fortgeschrittener. Du solltest zumindest grob wissen, wie Kurzsichtigkeit entsteht, was der Ziliarmuskel ist und welche Brillen du normalerweise vom Optiker verschrieben bekommst.

Zu starke Brillen und verkrampfter Ziliarmuskel

Die Brillen, die du normalerweise vom Optiker oder Augenarzt bekommst, sind in vielen Situationen eigentlich stärker als nötig. Zudem ist dein Ziliarmuskel als Folge der vielen Naharbeit meist auch noch verkrampft, ohne dass du es merkst.

Selbst wenn du in die Ferne siehst, entspannt sich dein Ziliarmuskel nicht mehr vollständig. Zum einen natürlich, weil er verkrampft ist und es gar nicht richtig kann und zum anderen, weil er es auch gar nicht muss. Deine Brille ist auch stark genug, wenn der Ziliarmuskel nicht beim Fokussieren mithilft.

Passives Sehen

Über die Jahre hinweg, hast du deinen Augen das aktive Fokussieren im Grunde abgewöhnt. Die Brille hat dem Ziliarmuskel die komplette Arbeit abgenommen und ihn so im angespannten Modus gehalten. Dein Sehen war passiv, ohne dass du es gemerkt hast.

Deine Augen können mehr

Was dir vermutlich gar nicht bewusst ist, ist dass deine Augen eigentlich viel mehr können, als du glaubst. Deine Brille hat deinem Ziliarmuskel einfach seit Jahren gar nicht mehr die Gelegenheit gegeben, aktiv zu fokussieren. Alles was du jetzt tun musst, ist aktives Fokussieren wieder zu erlernen und zur Gewohnheit zu machen.

Aktives Fokussieren

Ich schwöre! Keine Bilder von Brillen mehr.

Aktives Fokussieren1

Wenn du das schaffst, wirst du auch die ersten Dioptrien verlieren. Einfach, weil deinen Augen nicht mehr die ganze Verantwortung abgenommen wird, sie jetzt auch wieder arbeiten müssen und schließlich immer besser darin werden.

Darüberhinaus hilft dir das auch, gezielter Verspannungen im Ziliarmuskel abzubauen, weil du ihn so aktiv in Richtung entspannten Modus bringst. Und wie du weißt, sind Verspannungen im Ziliarmuskel der Grund, weshalb du überhaupt erst kurzsichtig geworden bist.

Aktives Fokussieren und positive Reize

Mit aktivem Fokussieren kannst du auch erst die Art von Reizen bekommen, die dein Auge wieder kürzer werden lassen. Wenn dein Auge auf so weit wie möglich scharf gestellt ist und merkt, dass es nicht ausreicht, fängt der Augapfel an, kleiner zu werden (myope Defokussierung).

Kein aktives Fokussieren, keine Verbesserung

Deswegen ist es so wichtig, diese Fähigkeit zu entwickeln. Ohne sie schaffst du vielleicht ein paar kleine Erfolge. Vielleicht eine halbe oder sogar ganze Dioptrie weniger, weil du es irgendwie geschafft hast, die Verspannungen im Ziliarmuskel halbwegs abzubauen. Aber dann… dann passiert nichts mehr.

Aktives Fokussieren

Recherchiere mal im Internet, bei wie vielen Leuten es anfangs geklappt hat, etwas gegen die Kurzsichtigkeit zu tun und dann passierte nichts mehr. Ohne aktives Fokussieren bekommt dein Auge nicht den Reiz, den es braucht, um kleiner zu werden.

Aktives Fokussieren lernen

Aktives Fokussieren ist möglich und du kannst es lernen. Alle Normalsichtigen tun es. Allerdings ist ein bisschen so, wie zu lernen, mit den Ohren zu wackeln. Wenn man es kann, kann man es einfach, aber wenn man nicht weiß wie es geht, muss man ein bisschen herumprobieren. Hier zeige ich dir, was du probieren kannst, um es zu lernen.

Aktives Fokussieren

Ich hoffe, ich konnte zeigen, wie wichtig diese Fähigkeit ist, um Kurzsichtigkeit abbauen zu können. Lass mir gerne deine Fragen oder einen Kommentar hier und trag dich in den Brillenpanda Newsletter ein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Und wenn du keinen Kommentar schreiben möchtest, kannst du mir auch einfach eine E-Mail zukommen lassen. Ich freue mich, von dir zu hören!

Quellen / weitere Informationen
  1. Begriff angelehnt an “active focus”, siehe Endmyopia

28 Kommentare

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  1. Hi Boris,
    toller Artikel und aus eigener Erfahrung kann ich Dir absolut Recht geben. Anfangs (mache das schon seit 25 J.) mit Bates Übungen etc. hatte ich höchstens 0.5 bis 1 DPT Verbesserung und das auch nur, wenn ich ständig dran blieb und Übungen machte, auch hatte ich immer bei Augenübungen das Problem, dass meine Sicht erstmal sehr viel schlechter wurde. Seit 1,5 Jahren trage ich meine unterkorrigierte Brille links -1,25 und rechts -1,5, seit 7.2.17 mache ich das aktive Fokussieren und es passiert sehr viel 🙂 In den 1,5 J. zuvor passierte nichts… Kanten werden jetzt klarer, mehr Blitze der absoluten Klarheit, ich sehe mit meiner unterkorrigierten Brille jetzt faßt schon 100%; auch in der Nacht sehe ich viel mehr, sehe Straßenschilder aus der Entfernung, kann Schrift sehr viel weiter lesen. Das aktive Fokussieren ist der Schlüssel! Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen! Hätte ich das vor Jahren gewußt, hätte ich nicht so viele nutzlose Übungen gemacht und wäre jetzt schon meine Brille los. Aber lieber spät als nie. In ein oder zwei Wochen trage ich meine nächste reduzierte Brille (l -1 und r -1,25). Danach werde ich meine Augenwerte angleichen und auf l -1 und r -1 gehen …. soll wohl besser sein für den visuellen Cortex 🙂 kannst Du das evtl. bestätigen? Hast Du da Info´s drüber? VG Thomas

    • Hey Thomas,

      schön, dass du wieder Fortschritte hast. Freut mich 🙂

      Das Angleichen ist eine gute Idee. Und auch der Zeitpunkt klingt sinnvoll. Besonders bei so geringen Werten kommt dann ja irgendwann auch der Schritt hin zu gar keiner Brille mehr. Und spätestens da ist es praktisch, wenn links und rechts vorher die gleiche Stärke war.

      So ändert sich für den visuellen Kortex links und rechts gleich viel, wenn du die Brille abnimmst. Ist einfach einfacher, als wenn links und rechts unterschiedlich starke Gläser “kompensiert” werden müssen.

      Viele Grüße
      Boris

  2. Lustig ist, dass im gesamten Beitrag letztendlich nirgendwo erwähnt wird, was denn nun aktives Fokussieren überhaupt ist. Das wird einem erst klar, wenn man den aktives-fokussieren-lernen Link öffnet. 😉

  3. Habe da mal wieder ein Frage. Neulich beim Spaziergang ohen Brille ist mir wieder mal aufgefallen, dass ich für kurze Zeit scharf sehen konnte, bis zum Blinzeln. Das aktive Fokussieren also. Da kam mir die Frage, wieso ist das eigentlich so? Ca. 1 Dioptrien ausgeglichen. Wie geht das überhaupt? Ich meine, der Ziliarmuskel ist entspannt (sollte er zumindest sein) und das Auge wird ja nicht für eine Sekunde kleiner geworden sein. Entspannt sich der Ziliarmuskel noch weiter? Wenn dem aber so wäre, dann müsste er ja immer noch nicht so entspannt sein, wie es möglich wäre.

    LG
    Peter

    • Gute Frage! Bin ich auch auf die Antwort von Boris gespannt. Ich kenne den Effekt auch, und wie du richtig sagst, kann das Auge ja nicht auf einmal kürzer werden. Kanns mir eigtl nur so erklären, dass jene Sehschärfe, die du nach dem aktiven Fokussieren erreichst, jene ist, die du imstande wärst zu sehen, wäre dein Ziliarmuskel nicht verspannt. Alles darüber hinaus ist das zu lange Auge. Hmm..

    • Hey Peter, Hi Alex,

      nicht nur der Ziliarmuskel sondern vor allem auch der visuelle Kortex ist an der Bildentstehung beteiligt.

      Daher meine (nicht wissenschaftlich untermauerte) Theorie: Der Ziliarmuskel ist entspannt, das aktive Fokussieren gelingt. Ein bestmögliches Signal kommt auf der Netzhaut an. Der visuelle Kortex hat beste Voraussetzungen, um die Informationen zu einem (bestenfalls) scharfen Bild zusammenzusetzen. Der visuelle Kortex braucht allerdings Unmengen an Zeit und Übung, um aus einem bisher unbekannten schärferen ankommenden Signal auch tatsächlich ein scharfes Bild zu erzeugen. Falls dies gelingt, ist das Bild erstaunlich scharf. Falls nicht, kommt es zu Mehrfachbildern.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Aktives fokussieren klappt, die Mehrfachbilder werden (so gut wie möglich) aufgelöst, das Bild ist deutlich schärfer, als gewohnt. Man blinzelt, das Auge muss neu fokussieren, der visuelle Kortex neu arbeiten, das Bild ist wieder unschärfer.

      Viele Grüße
      Boris

  4. Danke für die Antwort,

    So ganz ist mir das immer noch nicht klar.

    Du schreibst, “das aktive Fokussieren klappt, die Mehrfachbilder werden (so gut wie möglich) aufgelöst, das Bild ist deutlich schärfer, als gewohnt.”

    Wenn ich das so lese, dann müsste ja nur der visuelle Kortex die Verarbeitung des ankommenden Bildes, das ja ohne eine Änderung der Länge des Auges auf der Netzhaut ankommt, lernen. Eine Längenanpassung müsste dann ja eigentlich nicht erforderlich sein, denn, wenn das Signal auf der Netzhaut ankommt, dann stimmt die Länge des Auges ja.

    Vielleicht denke ich da auch zu kompliziert oder ganz falsch. Wie seht ihr das?

    LG
    Peter

    • Hi Peter,

      ich seh das genau wie du. Auch für mich macht Boris’ Antwort nicht viel Sinn. Die Frage bleibt offen: Wie kann es sein, dass wir nach dem aktiven Fokussieren manchmal völlig scharf sehen?

      Ich hab so ziemlich alle Beiträge hier bereits gelesen. Als Hauptursache gibt Boris ja (neben der Ziliar-Verspannung) den zu langen Augapfel an. Es ist einfach nicht davon auszugehen, dass der Augapfel auf einmal kürzer wird, richtig? Wie kann es also sein, dass wir dennoch für einige Sekunden nach dem aktiven Fokussieren scharf sehen? Wenn ich Boris richtig verstehe, schiebt er dieses Phänomen dem visuellen Kortex zu. Aber wie Peter nun bereits beschrieben hat: Was ist denn nun das Problem – der zu lange Augapfel oder der visuelle Kortex?

      Wenn du glaubst, dass der visuelle Kortex so eine große Rolle bei der Kursichtigkeit spielt, solltest du selbigem auch mehr Aufmerksamkeit auf Brillenpanda schenken, Boris. Denn bisher hast du immer alles nur dem zu langen Augapfel und dem Ziliarmuskel in die Schuhe geschoben. Jetzt auf einmal jemand drittes zu beschuldigen, wirkt etwas komisch..

      • Dazu fällt mir übrigens gerade noch ein, dass im Aktives-Fokussieren-Lernen-Beitrag ein User namens Thomas vor einiger Zeit bereits Denkanstöße gepostet hat, die in eine ganz ähnliche Richtung wie unsere Diskussion hier gehen:

        http://www.brillenpanda.de/aktives-fokussieren-lernen/

      • Hallo Alex

        Habe auch weiter darüber nachgedacht.

        Der visuelle Kortext verarbeitet das ankommende Bild also nicht (immer) richtig, daher unscharfes Bild oder Doppelbilder. Der visuelle Kontext muss die Bildverarbeitung daher lernen, so die Theorie von Boris. Wieso muss er das aber lernen??? Ich meine, er muss es nicht und versuche das mal zu erklären.

        Wenn dem so wäre (lernen notwendig), dann müsste der visuelle Kortext ja auch Probleme haben, wenn ich eine Brille aufsetze. Keine Brille auf, keim Signal auf der Netzhaut und unscharfes Bild. Brille auf, PLÖTZLICH Signal auf der Netzhaut und Verarbeitungsprobleme (Zitat von Boris: Der visuelle Kortex braucht allergings Unmengen an Zeit, um aus einem bisher unbekannten schärferen ankommenden Signal auch tatsächlich ein scharfes Bild zu erzeugen. Brille längere Zeit auf, keine Vearbeitungsprobleme, immer scharfes Bild.

        Ich sehe aber immer sofort scharf, wenn ich eine Brille aufsetze. Also muss der visuelle Kortex nichts lernen, er kann es immer, wenn das Signal auf der Netzhaut ankommt.

        Es kann also nur so sein, dass der Ziliarmuskel weiter entspannt, denn eine Längenanpassung des Auges ist ausgeschlossen und der visuelle Kortex scheint mir auch in Ordung zu sein.

        LG
        Peter

      • Sehr gute Fragen! Das gibt mir doch noch einige Denkanstöße 🙂

        Ich versuche es nochmal, denn es scheint zu Verwirrung gekommen zu sein: Ich gehe nochmal auf das Phänomen ein, von dem ihr gesprochen habt (gesteigerte Sehschärfe für einige Sekunden nach dem aktiven Fokussieren). Dabei haben sich ja schon drei Faktoren herauskristallieisert, auf die ich eingehen möchte: Länge des Augapfels, der Ziliarmuskel und der visuelle Kortex.

        Länge des Augapfels: Ihr sprecht von “völlig scharfem” bzw. “perfektem” Sehen. Ich glaube, da haben wir aneinandervorbei geredet. Von welchem Dioptriebereich sprechen wir hier? Aus meiner Erfahrung (zwischen ca. -5,00 und -3,00 dpt) kenne ich lediglich eine deutlich gesteigerte Sehschärfe, d.h. ich kann Schriftzüge lesen, die deutlich weiter weg sind, als normalerweise. Als perfekt würde ich das nicht bezeichnen, da der Bildeindruck sehr verwaschen ist und zahlreiche Mehrfachbilder auftreten.

        Wenn ihr die Erfahrung gemacht habt, dass ihr wirklich perfekt (Visus > 1.0, klares unverwaschens Bild, keinerlei Mehrfachbilder) sehen konntet, behaupte ich, dass ihr im Dioptriebereich von unter -2,00 dpt liegt (seid ihr?). Für jemanden mit, sagen wir -8,00 dpt, halte ich dieses Phänomen für ausgeschlossen. Eine klare Zunahme der Sehschärfe nach aktivem Fokussieren, ja. Perfektes Sehen (nach obiger Definition), nein (korrigiert mich bitte, wenn jemand eine gegenteilige Erfahrung gemacht hat).

        Der Augapfel ist viel zu lang, als das der visuelle Kortex auch bei völlig entspanntem Ziliarmuskel ein perfekt klares Bild erzeugen könnte. Wenn ihr Momente mit wirklich perfektem Sehen erlebt, behaupte ich, dass nur noch der visuelle Kortex nachziehen muss und die Bildinterpretation richtig klappen muss, um auch ständig perfekt sehen zu können. Ein weiteres Kürzer-Werden des Augapfels würde die Aufgabe dann allerdings für Ziliarmuskel und visuellen Kortex erleichter.

        Ziliarmuskel: Er übernimmt die Feineinstellung. Gelingt das aktive Fokussieren, ist der Ziliarmuskel entspannt und das Bild kommt, so scharf es bei der aktuellen Länge des Augapfels möglich ist, auf der Netzhaut an. Gelingt das aktive Fokussieren nicht, gibt es ja nach wie vor ein Bildsignal auf der Netzhaut. Nur eben nicht so scharf. Die Interpretation des Signals über nimmt dann (unabhängig von der Schärfe) der visuelle Kortex.

        Visueller Kortex: Ob die Interpretation des Signals gut oder weniger gut gelingt, hängt nicht unbedingt von der Schärfe des Signals auf der Netzhaut ab. Viel mehr ist es, wie vertraut das Signal ist.

        Wenn ein Signal vertraut ist (z.B. durch die gewohnte Brille, die man seit einigen Jahren trägt), gelingt die Interpretation der Bildsignale gut und konstant. Selbst wenn die Stärke vielleicht nicht ausreicht, um perfekt zu sehen, läuft doch alles reibungslos. Die Interpretation des Bildsignal funktioniert gut.

        Bekommt man nun z.B. eine Brille mit stärkeren Gläsern, so mag zwar das ankommende Signal auf der Netzhaut schärfer sein, dennoch gelingt die Interpretation der Bildsignal nicht so gut. Der subjektive Seheindruck ist dann sogar schärfer, allerdings wirkt das Bild verzerrt, zu scharf, es treten Kopfschmerzen oder Übelkeit auf, etc. Besonders die Bildinterpretation im Nahbereich lässt in den ersten Tagen und Wochen häufig zu wünschen übrig.

        Kurzversion: Die Länge des Augapfels gibt den Rahmen vor. Bei -10,00 dpt kann der Ziliarmuskel so entspannt sein, wie er möchte und die Bildinterpretation des visuellen Kortex so gut laufen wie sie will, perfektes Sehen ist nicht möglich. Bei vielleicht -1,00 oder -1,50 dpt sieht die Sache anders aus. Da kann es durchaus Momente geben, in denen der Seheindruck sehr nahe an perfet herankommt. (Das kenne ich zum Beispiel auch, wenn ich meine Nahbrille aufhabe.) Die “Momente klaren Sehens” zeigen, was bei der aktuellen Länge des Augapfels bei entspanntem Ziliarmuskel und bestmöglicher Interpretation des Bildsignals durch den visuellen Kortex möglich ist.

        Was dann “nur” noch fehlt ist ein Erlernen der Bildinterpretation. Nicht nur ab und an, sondern konstant. Ein weiteres Kürzer-Werden des Augapfels hilft dabei natürlich, da dann das Signal, das auf der Netzhaut ankommt an sich schon schärfer ist.

        Viele Grüße
        Boris

        PS: Dem visuellen Kortex sind bereits einige Beiträge gewidmet. Mehrfachbilder auflösen, Spaziergang ohne Brille, Tag ohne Brille, etc.

  5. Jetzt bin ich aber verwirrt (mit meinen -10dpt)? Hast du nicht immer behauptet, das Bild muss perfekt scharf werden, damit der Augapfel auch kürzer wird? Und jetzt sagst du, dass geht nur bei schwacher Kurzsichtigkeit?! Sorry, vielleicht steh ich auch gerade auf dem Schlauch…
    Gruß, Mathias

    • Danke für die Aufklärung, Boris. Verstehe jetzt. Also eh so, wie ich es oben beschreiben habe: “Kanns mir eigtl nur so erklären, dass jene Sehschärfe, die du nach dem aktiven Fokussieren erreichst, jene ist, die du imstande wärst zu sehen, wäre dein Ziliarmuskel nicht verspannt. Alles darüber hinaus ist das zu lange Auge. ”

      Ja, ich hab -2 dpt.

      Lg
      Alex

    • Hi Mathias

      Das Bild kann auch bei – 10 Dioptrien perfekt scharf werden. Nimm einfach ein Glas mit – 9 Dioptrien und du hast ähnliche Bedingungen, wie jemand, der – 1 Dioptrien hat. Ok, der mit – 1 Dioptrien kann auch mal ganz ohne Brille das Fokussieren üben. Es geht ja darum, im Bereich kleiner Kurzsichtigkeit zu arbeiten.

      LG
      Peter

      • Ok, also einfach weiterhin die Fernbrille nehmen. War gerade etwas irritiert, aber dann passt es.

  6. Hallo zusammen

    Mal bezogen auf das, was Alex geschrieben hat. Theoretische Sehschärfe ohne Veränderungen der Länge des Auges. Kann man ungefähr sagen, wieviel Dioptrien der Ziliarmuskel ausmacht, bezogen auf die Kurzsichtigkeit? Ich meine, ab wann fängt das Auge an seine Länge zu verändern. Oder anders gesagt, wie kurzsichtig kann man werden, wenn man immer nah arbeitet aber die eine Brille aufsetzt? Da müsste es ja eigentlich nie zu einer hyperopen Defokussierung kommen, oder seh ich das falsch?

    LG
    Peter

    • Hey Peter,

      Zahlenwerte findest du in dem “Macht Naharbeit Kurzsichtig?“-Beitrag und in den entsprechenden verlinkten Studien. Vielleicht lohnt auch ein Blick in die Quellen-Seite.

      Es passiert nicht erst das Eine und dann das Andere. Die Mechanismen laufen parallel ab. Wenn du sehr nah schaust, versucht das Auge sowohl durch Anspannen des Ziliarmuskels als auch durch Längenänderung des Auges entgegenzuwirken. Z.B. in dieser Studie konnte nach bereits einer halben Stunde Defokussierung eine Längenänderung des Auges festgestellt werden.

      Und zu hyperoper Defokussierung kann es natürlich auch ganz ohne Brillengläser kommen. Setze deine Brille ab, nimm ein beliebiges Objekt und halte es dir so nah vor die Augen, dass du es nicht mehr scharf stellen kannst. Das ist hyperope Defokussierung.

      Entsprechend kann es durchaus zu höherer Kurzsichtigkeit kommen, ohne dass jemals eine Brille getragen wurde. Mir persönlich sind Fälle mit etwa -3,00 dpt bekannt.

      Viele Grüße
      Boris

      • Hi Boris

        Ok, kann ich nachvollziehen. Wenn ich zu dicht an an beliebiges Objekt ran gehe, dann sehe ich es nicht mehr scharf und das ist dann hyperope Defokussierung. Wenn ich nun aber mit meiner Brille vor dem PC sitze, denn seh ich den Text nicht verschwommen, also keine hyperope Defokussierung. Ja, alles etwas kleinkariert, aber ich will das alles besser verstehen.

        Auch schreibst du in deiner Antwort ” … konnte nach bereits einer halben Stunde Defokussierung eine Längenänderung des Auges festgestellt werden”. Das Auge kann also theoretisch seine Größe an einem einzigen Tag verändern, aber wohl nur in Richtung “länger”???

        LG und danke für deine ganze Mühe, mir das besser verständlich zu machen.

      • Hey Peter,

        nein. In der Studie konnten Längenänderungen in beide Richtungen festgestellt werden. Je nach dem, ob myope oder hyperope Defokussierung vorlag. Allerdings jeweils im µm-Bereich, also sehr wenig.

        Und wie bereits angedeutet. Ziliarmuskel und Defokussierung können nur schwer getrennt betrachtet werden. Meine Ausführungen haben den Anspruch, möglichst simpel und anschaulich zu sein. Das geht auf Kosten der Genauigkeit.

        Wenn du mit Brille (voll korrigiert) Naharbeit machst, ist das für deinen Zilarmuskel eine Belastung, da er nicht nur “nah gucken” muss, sondern ja auch noch die (nicht benötigten) Dioptrien der Brille kompensieren muss. D.h. er ist auf “noch näher” eingestellt, als er es ohne Brille wäre.

        Um den Ziliarmuskel von der ständigen Anspannung zu entlasten, gibt es für den Körper z.B. die Möglichkeit, den Augapfel länger werden zu lassen, damit der Ziliarmuskel dann nicht mehr aus “sehr nah” eingestellt sein muss und somit eher entspannen kann. Das führt dann natürlich auch dazu, dass es in der Ferne verschwommener wird und zeitnah die nächste stärkere Brille folgt.

        Hoffe das hilft.
        Viele Grüße
        Boris

  7. Sehr gute Fragen! Alles hinterfragen, gefällt mir! Du hast recht: Wenn man nie eine Sehhilfe aufsetzt, sollte es nach Boris’ Aussagen denke ich nie zu hyperober Defokusierung kommen. Ich denke aber, der Ziliarmiskel kann schon sehr arg verspannen. 1-2 dpt vlt?

  8. Ich mal wieder

    Oben steht, wenn das Auge auf so weit wie möglich scharf gestellt ist (aktiv fokussiert hat?) und merkt, dass es nicht ausreicht (Bild nicht scharf wird?), dann wird das Auge kleiner. Soweit so gut … . Steht an anderer Stelle aber nicht, dass das Auge tonnenweise scharfe Bilder braucht. Was stimmt denn jetzt aber?

    Mein linkes Auge fokussiert jetzt seit einigen Monaten aktiv. Bild wird auch ab und zu scharf, mit und ohne Brille. Mal nicht, weil es Doppelbilder gibt oder alles irgendwie verwaschen ist. Aber, ich sehe bei meinen Messungen einfach nicht besser. Am PC sitze ich immer ohne Brille, gucke extrem viel in die Ferne. Ich mache wirklich??? alles, was hier steht, aber ohne Erfolg. Selbst das rechte Auge steht mittlerweile still. Was mache ich nur falsch??? Geht es jemandem ähnlich?

    LG, der verzweifelte Peter

  9. Hallo

    Scheint ja wirklich keinen zu geben, der in einer ähnlichen Situation ist, wie die, in der ich mich befinde. Finde ich irgendwie komisch. Naja, kann man nichts machen.

    Ist ja wieder etwas Zeit vergangen und ich habe mir jetzt noch einmal einen Termin bei einem Augenarzt geben lassen, in der nächsten Woche. Meine Werte sind immer noch gleich. Mit den Augenübungen gegen Astigmatismus habe ich auch wieder aufgehört, weil es ja nicht sinnvoll sein soll. Mal sehen was der Augenarzt zu meinen Werten sagt. Von dem ausgehend, hole ich mir dann eine neue Brille, mit 0,25 weniger, bei beiden Werten. Vielleicht geht es dann ja wieder voran.

    Mit dem Lesen will ich jetzt auch wieder anfangen. Aktuell sage ich mir nämlich immer, keine Naharbeit, bloß keine Naharbeit. Ist irgendwie viel Lebensqualität verloren gegangen, in dem Jahr, indem ich jetzt hier aktiv bin.

    Vielleicht meldet sich ja doch noch einer, der in einer ähnlichen Situation ist.

    LG
    Peter

    • Hallo Peter,

      du bist nicht allein. Mir geht es ganz ähnlich. Subjektiv scheint es Verbesserungen zu geben, da meine Augen eigentlich ständig aktiv fokussieren, an den Messungen ändert sich aber kaum etwas. Das hat mir auch meine letzte Messung beim Optiker bestätigt.
      Einen Rat habe ich daher leider auch nicht für dich. Bei mir könnte es auch daran liegen, dass ich doch noch etwas zu viel Zeit mit Naharbeit verbringe, da ich im Moment noch eine Hausarbeit zu schreiben habe…
      Aber ich finde, deine Lebensqualität sollte absolut nicht leiden! Lies doch einfach immer im leicht unscharfen Bereich und mach genügend Pausen. Ich finde, das Lesen sollte man sich echt nicht nehmen lassen! 🙂
      Ich würde versuchen, geduldig und aufmerksam zu sein, um doch noch herauszufinden, woran es liegen könnte.

      Alles Gute,
      Anne

    • Hallo Peter,

      ich würde gerne meine Erfahrungen mit dir teilen. Aber ich finde es schwer, was genaues zu deinem Kommentar zu sagen, da mir einige Angaben fehlen, die ich nicht in irgendwelchen anderen Blog-Einträgen von dir suchen will.

      Zum Beispiel:
      Welche Werte hat deine “normale” Brille?
      Was sind die Werte deiner tatsächlichen Sehstärke?
      Welche Werte haben deine unterkorrigierten Brillen, falls vorhanden?

      Für mich hört es sich so an, als ob du es “ein Bisschen” übertrieben hast (keine Naharbeit, vielleicht zu schwache oder gar keine Brille). Kenn ich teilweise von mir selbst.

      Ich hatte bisher auch fast keine Verbesserung, “obwohl” ich mich viel mit dem Thema hier beschäftigt hab. Das hat auch geholfen, aber oft mach ich die Dinge dann zu exzessiv.
      Mein Bruder hat mittlerweile glaube ich 1 Dioptrien weniger (in knapp einem Jahr). Und der beschäftigt sich kaum damit. Macht auch nicht ständig ewige Pausen. Aber er hat einen Lebensstil, bei dem er einfach mehr Fernsicht hat. Seine Brillen waren optimal unterkorrigiert, und es hat einfach geklappt, “obwohl” er sich kaum darum kümmert.

      Ich denke, wenn man seine Fehler und Missverständnisse korrigiert hat, kann man einfach sein Leben leben, und das ganze läuft von selbst.
      Ich mache mittlerweile Pausen, wenn ich SPÜRE, dass ich sie brauche, nicht wenn ich es DENKE.

      Außerdem fokussiere ich nicht mehr wie blöd, sonder “sanft” und “weich”, eher mühelos. Dadurch sind meine Augen nicht mehr so angestrengt. Zu starkes Fokussieren (“Starren”) kann die Augen nämlich auch überanstrengen (z. B. wegen zu schwacher Gläser). Diese Art von Anstrengung war für mich nur schwer von einem wegen Naharbeit verspannten Ziliarmuskel zu unterscheiden.

      Übrigens bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht förderlich ist, wenn man nur selten scharfe Bilder bekommt.

      Ich denke, wenn du mal herausgefunden hast, was deine Fehler und Irrtümer waren, kannst du dich entspannen, weil du merkst, dass du gar nichts machen musst. Sehen ist nämlich das Natürlichste auf der Welt und nicht anstrengend, wenn man gesunde Sehgewohnheiten hat.

      Liebe Grüße
      Tobias

      • Hallo,

        gestern war ich beim Augenarzt. Ich habe, so sagte er, eine Bindehautentzündung. Komisch, gemerkt habe ich davon irgendwie nichts. Muss nun erst einmal eine Woche verschiedene Tropfen nehmen.

        Ich mache mir in dieser Zeit mal Gedanken über eure Beiträge, Fragen und Anregungen. Erst einmal danke dafür!

        LG
        Peter

      • Hallo Tobias,

        danke fürs Teilen deiner Erfahrungen!
        Ein Forum wäre doch wirklich großartig.

        Was ich in solchen Momenten des Zweifels auch immer hilfreich finde, sind die Blogeinträge auf endmyopia zu solchen “Problemfällen”, wo es einfach nicht weitergehen will, aber auch die Facebookgruppe von endmyopia.

        Liebe Grüße
        Anne

      • Hi Peter, hi Anne,

        Entzündung hört sich für mich nach Überanstrengung an. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich das auch hatte, da meine Augen oft gebrannt und ein Bisschen wehgetan haben. An eine Entzündung dachte ich dabei gar nicht — könnte aber sein.

        Ich hatte lange Zeit zu schwache Brillen auf, weil ich zu viel wollte.
        Ich hab dann wieder “bei Null angefangen” und meine alte Brille aufgesetzt, die übrigens auch nicht mehr überkorrigiert war. (Ich hatte die schon ca. 8 Jahre.) Als ich die dann wieder ein paar Tage aufhatte, ging es den Augen wieder gut. Das war eine unglaubliche Entspannung und Erholung. (Als ich ziemlich verzweifelt war, hab ich auch viel bei endmyopia gelesen. Die Seite ist leider sehr unübersichtlich, und die Blog-Einträge sind kreuz und quer über die Seite verteilt. Jedenfalls werden dort oft solche Dinge empfohlen, wie: “Astigmatismus bei der Nahbrille ganz rausnehmen, oder die Hälfte davon, wenn man “hohen” Astigmatismus hat.” Also wenn ich das gemacht hätte, hätte ich wieder nichts gesehen. Kann sein, dass die Brillen vieler Leute stark überkorrigiert sind — ist auch oft so. Aber pauschal solche Tipps zu geben, finde ich bedenklich.)

        Jetzt hab ich eine Fernbrille, die “nur” 0,25 Sphäre weniger hat als diese alte Brille. Damit hab ich diese Gefühl, dass alles schon ziemlich scharf ist, aber ein Bisschen ungewohnt. Ich kenne dieses Gefühl aus meiner Kindheit, als ich damals neue Brillen bekam. Es ist, als würde die Brille nicht 100 %ig passen und als müssten sich die Augen daran gewöhnen. Ich interpretiere es so, dass meine Augen — genau umgekehrt zu damals — ein Bisschen kürzer werden müssen, damit diese Brille passt. Wenn ich ein Bisschen — fast mühelos — fokussiere, wird es perfekt scharf; es geht ständig hin und her.

        Ich habe noch nicht genug Erfahrung damit, aber ich habe den Eindruck, dass ich jetzt den Weg gefunden hab, wie es funktioniert.

        Ich schreibe es aber jetzt schon mal, weil es vielleicht dir und anderen hilft.

        Liebe Grüße
        Tobias

  10. Hi Peter,

    Ich befürchte sogar, dass meine Augen trotz allem wieder schlechter geworden sind! Ich habe auch komplett das Lesen aufgegeben, täglich meine abgeschwächte Fernbrille aufgehabt etc.etc. Trotzdem sind meine Augen momentan schlechter, als sie es vor einem Monat waren. Sehr frustrierend, insbesondere bei meinen Dioptrien…
    VG, Mathias

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