Kurzsichtigkeit verbessern – Schritt für Schritt Anleitung

Du siehst in der Ferne nicht scharf, möchtest deine Kurzsichtigkeit verbessern, hast aber keine Ahnung, wie du das geht? Dann ist das hier genau das Richtige für dich.

Schritt #1: Recherche

Ohne Schritt #1 geht gar nichts. Beigeistere dich für das Thema, recherchiere hier, im Internet und überall sonst. Ist es wirklich möglich? Gibt es Menschen, die kurzsichtig waren und es nicht mehr sind? Wie haben sie das geschafft?

Fange an, die Mechanismen hinter Kurzsichtigkeit zu verstehen. Wieso entsteht Kurzsichtigkeit? Wieso bist du kurzsichtig geworden? Warum brauchst du immer wieder stärkere Gläser?

Schritt #1 darf ruhig mehrere Wochen dauern. Nimm dir Zeit, recherchiere gründlich und fange an, nach deinen eigenen Antworten zu suchen.

Kurzsichtigkeit verbessern

Schritt #2: Optikerausbildung

Lerne, wie du deine Sehstärke selbst messen kannst. Was hat deine Sehweite mit Dioptrien zu tun? Was ist ein Visus und wie kannst du ihn selbst messen? Ist das, was beim Optiker mit dir gemacht wird, vielleicht weniger mysteriös, als du glaubst?

Wenn du deine Sehstärke selbst einschätzen kannst, bemerkst du Veränderungen viel besser. Fange an, dir deine Messungen aufzuschreiben und lerne zu verstehen, was dir die Zahlen und deine Augen sagen wollen.

Schritt #2 dauert meist ein bis zwei Wochen und darf natürlich mit Schritt #1 kombiniert werden.

Schritt #3: Ursachenbekämpfung

Fange an, deinen Ziliarmuskel zu entspannen. Baue mehr Pausen in deine Naharbeit ein und besorge dir deine erste Nahbrille. Mit ihr haben deine Augen zum ersten mal Gelegenheit, besser zu werden. Sorge auch aktiv für einen entspannten Ziliarmuskel indem du aktives Fokussieren lernst.

Lasse dir für Schritt #3 genügend Zeit. Kalkuliere mindestens vier bis sechs Wochen ein, bis du dich an deine Nahbrille gewöhnt hast und dein Ziliarmuskel entspannt ist.

Kurzsichtigkeit verbessern

Schritt #4: Positive Reize

Frühestens vier Wochen nachdem du deine erste Nahbrille organisiert hast, steht Schritt #4 an. Deine erste schwächere Fernbrille. Recherchiere, was es damit auf sich hat, finde die richtige Stärke und lege los.

Auch für Schritt #4 darfst du mit vier bis sechs Wochen rechnen. So lange dauert es etwa, bis deine Augen sich an die neue Brille gewöhnt haben.

Schritt #5: Langzeitplanung

Wann ist es Zeit für eine schwächere Brille? Wie viel schwächer? Was ist mit dem Astigmatismus? Was passiert, wenn eine Auge weniger weit sehen kann, als das andere? Welche Gewohnheiten brauchst du, um langfristige Erfolge zu sichern?

Was sagen dir die vielen Messwerte? Wie schnell kommen die Verbesserungen und wie lange wird der ganze Prozess dauern? Fange an, langfristiger zu planen und dir zu überlegen, wie alles ablaufen wird. Wann ist es Zeit für welche Brille?

Schritt #5 kann parallel zu allen vorherigen Schritten erfolgen. Schaffe dir einen großen Überblick über deinen ganz persönlichen Weg aus der Kurzsichtigkeit.

Kurzsichtigkeit verbessern

Schritt #6: Kurskorrektur

Folge deinem Plan. Behalte den Überblick über deine Messwerte und berücksichtige deine Daten bei deiner weiteren Planung. Wenn mal etwas nicht nach Plan läuft, frage dich wieso. Sei offen dafür, dich selbst kritisch zu hinterfragen.

Lerne, dich selbst zu motivieren und auch von unerfreulichen Phasen nicht unterkriegen zu lassen. Überlege dir, welche Meilensteine auf deinem Weg liegen und wie du dich für das Erreichen deiner Zwischenziele belohnen kannst. Passe deine Brillenwerte zum richtigen Zeitpunkt an. Stück für Stück. Bis du schließlich ganz ohne Sehhilfe scharf sehen kannst.

Schritt #6 dauert am längsten. Je nach dem, wie kurzsichtig du bist, können es ein, zwei Jahre oder auch ein ganzes Jahrzehnt sein. Das hier ist definitiv ein Langzeitprojekt. Aber es lohnt sich.

Kurzsichtigkeit verbessern

Ich hoffe, ich konnte dir einen Überblick über den Gesamtprozess geben. Mir hilft es immer sehr, wenn ich auch das Große Ganze im Blick behalte. Lass mir gerne deine Meinung dazu hier und schreibe mir gerne einen Kommentar.

PS: Den nächsten Beitrag gibt es erst in zwei Wochen. Mein Kühlschrank ist leer (und mein Bankkonto auch) und ich habe jetzt einen echten Job mit Geld verdienen und soetwas. Das heißt, dass leider weniger Zeit für Brillenpanda bleibt und ich nur noch alle zwei Wochen einen Beitrag veröffentlichen kann.

Ich hoffe, dass das nur zeitweise so bleibt, weil ich auch selbst gerne regelmäßiger schreiben würde. Aber ich schreibe lieber alle zwei Wochen einen guten Beitrag (nach meinen Maßstäben), als jede Woche einen gestresst und lieblos dahinzutippen. Ich hoffe ihr habt ein wenig Verständnis 🙂

9 Kommentare

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  1. Hey Boris,

    Deine Seite ist Gold Wert!!!
    Danke dir für deine ehrlichen und offenen Beiträge, deinen unermüdlichen Einsatz und das Wissen, das du mit uns teilst.

    Ich habe schon ein paar Bücher gelesen und auch die empfohlenen Übungen gemacht, aber mit den Empfehlungen auf deiner Seite hatte ich bisher den größten (messbaren!) Erfolg. Anhand deiner Erklärungsmodelle habe ich auch das erste mal richtig verstanden, was im Auge abläuft, und wie Fehlsichtigkeiten entstehen.
    Im Moment habe ich zwar wieder eine unmotivierte Phase, aber ich sauge jeden neuen Bericht von dir auf und das motiviert mich weiterzumachen bzw. meine Fahrt zu einer bessere Sicht wieder aufzunehmen.

    Freue mich jetzt schon auf den nächsten Bericht.

    Liebe Grüße und ein erholsames Wochenende
    Michael

    • Hey Michael,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe mich riesig gefreut, ihn zu lesen 🙂

      Und natürlich: Gern geschehen.

      Unmotivierte Phasen haben wir alle. Zum Glück gehen die auch vorbei. Bis dahin gibts hier sicher genügend niedliche Tierbilder, um sich die Zeit zu vertreiben 🙂

      Viele Grüße
      Boris

  2. Hallo Boris,

    auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob meine Frage hier richtig platziert ist:
    Ich bin auf beiden Augen unterschiedlich kurzsichtig, d.h. das linke Auge hat eine Dioptrie mehr. Wie geht man damit um, deiner Erfahrung nach? Wie kann ich mein schwächeres Auge dazu bringen, aufzuholen?
    Vielen Dank für einen Tipp!

    Viele Grüße
    Ida

    • Hi Ida,

      mir geht es auch so wie Peter, und ich sehe es auch so, dass das schwächere Auge nichts aufholen muss. Das ist meiner Meinung nach ein Irrtum, und ich hatte ihn leider auch lange.

      Bei mir hat es dazu geführt, dass ich beim schwächeren Auge vergleichsweise schwächere Brillengläser genommen habe, damit ich es “heranhole”.

      Das hat jedoch nur dazu geführt, dass sich dieses Auge – auf den Zylinder bezogen – fast gar nicht verändert hat, da wohl der Unterschied zu groß war. Stattdessen hat dieses Auge ständig gebrannt, da es überanstrengt war.

      Vor ein paar Monaten hab ich diesen Fehler dann korrigiert, und langsam ist das Brennen verschwunden. Jetzt ist mein schwächeres Auge noch 0,25 Dioptrien weiter “hintendran” als vorher. Aber das ist halt so. Ich hab einen Fehler gemacht und daraus gelernt. Das hat Zeit und Geld gekostet. Das konnte mir vorher niemand sagen. Aber du musst jetzt glücklicherweise nicht denselben Fehler machen. 🙂

      Liebe Grüße
      Tobias

    • Hey Ida,

      persönliche Erfahrungswerte habe ich dazu leider keine, da bei mir der Unterschied nur minimal war und sich ziemlich zu Beginn auch “von alleine erledigt” hat (deswegen gibt es hier auch bisher keine Beiträge zu dem Thema). Dennoch gibt es (vor allem auf endmyopia.org und gettingstronger.org) Ansätze, die zu funktionieren scheinen. Vielleicht hilft es dir:

      Die Idee ist folgende:
      Anstatt für die nächste schwächere Brille bei beiden Augen eine viertel Dioptrie niedriger zu nehmen, nehme man nur bei dem “schwächeren” Auge eine viertel Dioptrie weniger. Beim “stärkeren” Auge bleibt man bei der gewohnten Stärke.

      Dabei macht es Sinn, damit bei der Nahbrille anzufangen. Möglichst nicht allzu viel später zieht man dann mit der schwächeren Fernbrille nach, damit die Verhältnisse links/rechts bei Nah- und Fernbrille identisch sind.

      Nun gilt es, beim schwächeren Auge “Bedarf anzumelden”, d.h. dafür zu sorgen, dass nicht das ohnehin schon stärkere Auge die ganze Arbeit übernimmt. Dabei gilt es, die Balance zu finden und das schwächeren Auge auch nicht zu sehr zu überanstrengen.

      Man findet häufig, dass man z.B. bei der Naharbeit X Minuten lang das stärkere Auge abdecken soll, um so eben Bedarf anzumelden, dass auch das schwächere Auge Verantwortung übernehmen soll. Dabei läuft alles wie gewohnt, aktiv fokussieren, Sitzabstand beibehalten, nur jetzt eben mit nur einem Auge.

      Meinem Empfinden nach (und so scheint es mir auch auf endmyopia.org kommuniziert zu werden) ist hierbei weniger mehr. D.h. das “schwächere” Auge muss wirklich nur minimal mehr gefordert werden, als das stärkere.

      Konkret: Es macht Sinn, sich von unten an eine konkrete Zeitangabe heranzutasten. Ich würde es so machen.

      5-10 Minuten beim Naharbeiten (am besten zu Beginn, wenn die Augen noch entspannt sind) das stärkere Auge abdecken. Nur ein einziges Mal am Tag. Und das auch nur alle zwei Tage. Dabei natürlich achtsam für Veränderungen sein und schauen, wie das Auge darauf reagiert.

      Nach einer Woche, kann man auf jeden Tag 5-10 Minuten erhöhen und weiterhin schauen, wie das Auge reagiert. Macht es gut mit? Gelingt das aktive Fokussieren? Sieht man sonst am Tag irgendwelche Verbesserungen? Sollte das nicht reichen, kann auf insgesamt 20 Minuten pro Tag erhöht werden, die auf mehrere 5-10 Minuten Stückchen verteilt sind. Mehr scheint eher eine negative Wirkung zu haben und das Auge zu sehr anzustrengen. Wer wie reagiert, ist aber auch hier individuell verschieden.

      Entscheidend ist, das Auge nicht in einen Zustand der Überforderung zu bringen (durch “zu viel des Guten”), sondern nur sehr sanft und fast schon subtil darauf hinzuweisen, dass es gebraucht wird.

      Zum Abdecken eignet sich etwas, das die Sicht zwar verschwimmen lässt, aber Licht durchlässt. Z.B. Butterbrotpapier oder ein Stück aus einer Klarsichthülle, das man sich über das Brillenglas hängt, etc.

      Soweit das, was ich dazu weiß. Aber wie gesagt, alles nur Hörensagen und nicht an mir selbst erprobt. Falls du also Erfahrungen sammeln kannst, dann melde dich gerne nochmal, wenn es soweit ist.

      Viele Grüße
      Boris

      • Hi Boris,

        werden auf Endmyopia oder so auch Gründe genannt, warum man beim schwächeren Auge Bedarf anmelden soll, also warum man mit dem diesem Auge aufholen soll?

        Ich will dir das jetzt nicht alles kaputtreden, was du geschrieben hast, aber ich sehe keinen Grund dafür, warum man an einem Auge stärker arbeiten sollte. (Wenn du einen hast, nenn ihn mir gerne. Das meine ich ernst. Vielleicht lieg ich auch falsch.)

        Letztendlich scheint es mir nur ein Riesenaufwand zu sein. Als ich das erste Mal das stärkere Auge abgedeckt hatte, wusste ich, dass ich das nicht dauerhaft oder auch nur öfter machen werde.

        Meiner Meinung nach ist das viel zu kompliziert, und es geht viel einfacher: Man nimmt einfach überall gleichviel weg und hat somit einen mühelosen Prozess. Und wenn das eine Auge “auf Null” ist, hat man das, was du oben beschrieben hast, sowieso automatisch, nämlich dass das schwächere Auge eben “nachsitzen” muss. Die Zeit ist (rein rechnerisch) dieselbe; aber der Aufwand ist viel geringer. Man muss auch nicht herumprobieren mit leicht schwächeren Gläsern, die dann vielleicht zu schwach sind oder zu stark, und dann kauft man neue und wieder neue. Wozu?

        Liebe Grüße
        Tobias

      • Hey Tobias,

        berechtigte Einwände. Ich persönlich sehe das allerdings etwas anders, als du.

        Es geht nicht darum, “an einem Auge stärker zu arbeiten”, sondern darum, einen Zustand zu erreichen, bei dem beide Augen etwa gleich viel zum Sehen beitragen. Dass ein Auge das dominante ist (wie auch z.B. bei den Händen) und somit besser sieht, ist normal und sollte meiner Meinung nach auch nicht künstlich bearbeitet werden.

        Aber anzustreben, dass ein Auge deutlich schwächer ist (>1,00 dpt) als das andere, halte ich für problematisch. Das dürfte die räumliche Wahrnehmung und auch generell die Schärfenwahrnehmung negativ beeinflussen.

        Und ein möglichst baldiges Angleichen der Stärken links/rechts hat auch diverse Vorteile. Angenommen man hat links -3,00 und rechts -5,00 dpt. Setzt man seine Brille jetzt ab, hat der visuelle Kortex ordentlich zu tun. Das auf der Netzhaut ankommende Bildsignal ändert sich plötzlich, weil die Sehweite sinkt.

        Als ob das nicht schon genug wäre, ändert sich das Signal in dem Beispiel auch noch unterschiedlich stark beim linken und rechten Auge. Der visuelle Kortex muss also nicht nur die geänderte Sehweite berücksichtigen, sondern auch noch, dass es sich links und rechts unterschiedlich stark geändert hat. Es muss mächtig gearbeitet werden, damit überhaupt ein ordentlicher Bildeindruck entsteht.

        Im Vergleich dazu eine Brille mit beiden Gläsern mit -3,00 dpt. Wird die Brille abgesetzt, sinkt zwar immer noch die Sehweite, allerdings auf beiden um Augen gleich viel. Viel einfacher zu verarbeiten für den visuellen Kortex.

        Als zweiter Grund fällt mir ein, dass gleiche Stärke links/rechts auch den Übergang von schwacher Brille (ca. -1,00 bis -1,50 dpt) zu keiner Brille erleichtert. Genau aus dem eben genannten Grund.

        Szenario 1: Z.B. links -1,00 dpt, rechts -3,00 dpt. Das linke Auge braucht bei guter Tagesform/gutem Licht gar keine Korrektur mehr. Für das rechte wiederum ist in der Ferne auf jeden Fall eine Brille sinnvoll. Was also tun? In der Ferne keine Brille funktioniert nicht. Brille mit links keiner Stärke und rechts ausgeglichen, mag zwar gehen, aber was tun, wenn man doch mal schlechtes Licht hat und man auch links ein wenig Stärke gebrauchen kann. Ein zusätzliche Brille? Das macht die Sache unnötig kompliziert.

        Im Kontrast dazu: Links und rechts -1,00 dpt. Bei gutem Licht/guter Tagesform: Keine Brille. Bei weniger gutem Licht oder nachts: -1,00 dpt. Super simpel, immer genügend Herausforderung. Viel einfacher.

        Viele Grüße
        Boris

  3. Hi Ida

    Bei mir ist auch ein Auge kurzsichtiger, als das andere. Wollte ich auch ändern und habe mich nur auf dieses Auge konzentriert. Fokussieren am PC und so. Kostet nur Nerven. Ich lasse das jetzt und lass die Natur machen. Dann ist am Schluss eben nur noch ein Auge kurzsichtig. Ist doch egal, auch das ändert sich dann von alleine, wenn man bei den gesunden Sehgewohnheiten bleibt. Ein Auge braucht eben mehr Zeit, gib sie ihm 😉

    LG

  4. Hallo Boris, Peter und Tobias,
    vielen herzlichen Dank für eure Tipps und Meinungen, die sind echt sehr wertvoll!
    Ich werd jetzt mal einen Mittelweg probieren: Die Brillen bleiben auf beiden Augen gleich stark unterkorrigiert, daran ändere ich nichts. Aber beim Bücherlesen (d. h. unregelmäßig und nicht zu lange am Stück) decke ich das stärkere Auge mit der Hand ab und fokussiere mit dem schwächeren Auge aktiv, so dass ich den Text grade gut lesen kann – ohne Überanstrengung natürlich.
    Ich werde an dieser Stelle wieder berichten, ob und was sich getan hat!
    Liebe Grüße
    Ida

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