Morgen ohne Brille

Du möchtest loslegen und den ersten Schritt in Richtung klarem Sehen ohne Brille machen? Hier bekommst du etwas Konkretes. Was muss ich machen? Was gibt es zu beachten? Und was bringt das Ganze?

Das Erste, was es zu tun gibt, ist sich klar darüber zu werden, wie die momentane Situation ist. Nur so kann eine konstruktive Veränderung stattfinden. Wie gehst du jetzt mit deiner Brille (oder deinen Kontaktlinsen) überhaupt um?

Unbewusste Brille

Wenn es bei dir so läuft, wie bei den meisten, sieht dein Start in den Tag etwa so aus:

Der Wecker klingelt, du stehst früher oder später auf und setzt dir deine Brille auf. Dann gehst du ins Bad und machst dir dann irgendwann Frühstück.

Das erste, was du machst, ist deine Brille aufzusetzen. Vollkommen unbewusst. Ganz automatisch und ohne darüber nachzudenken.

Wozu auch? Vermutlich hast du bisher nichts, was deine Augen angeht, jemals hinterfragt. Du bist kurzsichtig und brauchst die Brille, um gut sehen zu können. Wieso sie nicht aufsetzen? Das Ganze bringt aber zwei gewaltige Probleme mit sich.

1. Du bist abhängig, merkst es aber gar nicht

Wenn du eher starke Kurzsichtigkeit hast, bist du vollkommen abhängig von deiner Brille. Ab mehr als 4-5 Dioptrien hättest du wahrscheinlich ernsthafte Probleme unbeschadet nachhause zu kommen, wenn dir irgendwo unterwegs deine Brille abhanden kommt.

Und das ist vollkommen in Ordnung so. Nur wird es Zeit, das auch anzuerkennen und nicht mehr länger wegzusehen. Der Zustand ist so, wie er ist, muss er aber nicht für immer bleiben.

2. Du weißt nicht, wie die Welt aussieht

Zugegeben, das klingt ein wenig weit hergeholt. Sicher weißt du, wie deine Umgebung aussieht. Du weißt, wie ein Baum aussieht, wie ein Auto aussieht und wie ein Manul aussieht.

Ohne Brille

Ein Manul. Definitv ohne Brille.

Naja, oder eigentlich weißt du nur, wie das alles durch deine Brille hindurch aussieht. Nicht, wie es für dich aussieht. Deine Brille hat Abbildungsfehler, Farbsäume und Verzerrt das Bild. Wenn du sie abnimmst, fällt das zwar weg, aber dann wird alles unscharf. Du hast also keine Ahnung, wie die Welt wirklich aussieht.

Und auch das ist vollkommen in Ordnung. Damit bist du nicht allein und das wird nicht so bleiben. Trotzdem ist es etwas, das es zunächst einmal anzuerkennen gilt.

20 Minuten ohne Brille

Ok, was aber tun? Gewöhne dir folgendes an:

Ab morgen verzichtest du bewusst die ersten 20 Minuten nach dem Aufstehen auf deine Brille. Erlebe die ersten 20 Minuten so, wie du sie mit deinen eigenen Augen siehst. Du brauchst nichts anders zu machen als sonst. Sei einfach neugierig darauf, wie die Welt ohne Brille aussieht. Entwickle ein wenig Achtsamkeit für dein persönliches visuelles Erleben.

  • Wie verschwommen ist dein Waschbecken?
  • Was ist mit der Kaffeemaschine? Wie viel kannst du vom Wasserkocher erkennen?
  • Wie sieht die Zahnbürste aus?

Mehr musst du nicht tun. Freunde dich damit an, wie die Welt ohne Brille aussieht. Erforsche deine Umgebung einfach ein wenig.

Nimm die 20 Minuten nicht zu ernst. Du musst nicht auf die Uhr gucken. 15 oder 25 sind genauso ok. Es gibt auch keinen Grund zu übertreiben. Mehr bringt dir keinen Vorteil. Kleine aber dauerhaft Veränderungen. Das hier ist ein Marathon, kein kurzer Sprint.

Ohne Brille

Ich weiß doch, wie mein Frühstück aussieht? Natürlich so!

Mach es dir zur Gewohnheit. Keine Ausnahmen, keine Ausreden. Jeden Tag. Nicht 30 Tage lang, nicht 90 Tage lang. Ab morgen, jeden Tag.

Setz dir nach den 20 Minuten deine Brille wieder auf. Freue dich, wie scharf deine Welt wird und welche Schärfe dir deine Brille geben kann. Sei dir aber auch bewusst, dass du von ihr abhängig bist und dass das ein Zustand ist, der nicht mehr lange anhalten wird. Schau dir zum Vergleich nochmal deine Zahnbürste, dein Waschbecken oder was auch immer du die ersten 20 Minuten lang gesehen hast an. Sei mit deiner Aufmerksamkeit bei den Dingen, die du betrachtest.

Was bringt das?

Es geht darum, von der Vorstellung wegzukommen, dass die Brille etwas Selbstverständliches ist. Etwas, das die Welt für dich scharf macht. Es geht darum, achtsamer mit der Brille umzugehen. Sie ist weder dein Feind noch Freund. Du kannst sie sinnvoll verwenden oder aber dir damit schaden. Es geht einfach nur darum, einen neuen Umgang mit deiner Brille einzuüben.

Was haben die Augen davon?

Dein visueller Kortex braucht den Kontrast zwischen scharf und unscharf. Wenn du morgens auf deine Brille verzichtest, merkt dein Gehirn: Moment, hier stimmt doch was nicht. Das ist wirklich der erste Schritt hin zu weniger Kurzsichtigkeit. Der Körper muss merken, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Erst dann kann es zu Veränderungen kommen.

Ohne Brille

Lass mich wissen, wie es dir damit geht. Falls du wirklich stark kurzsichtig bist (-5,00 dpt und mehr), kann es durchaus sein, dass dir der Anblick ohne Brille erstmal Angst macht. Übertreibe es dann nicht, sondern nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich daran zu gewöhnen. Fang mit 2 Minuten an und steiger dich dann jeden Tag.

Und begib dich auch nicht in Gefahr. Falls du normalerweise morgens als erstes 20 Minuten lang mit angeschalteten Kettensägen jonglierst, müsstest du dir etwas Neues einfallen lassen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Quellen / weitere Informationen

11 Kommentare

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  1. Gute Idee, die ich sofort umsetzen werde. Mal sehen (ha ha, Wortspiel), wie es mir damit ergehen wird.

  2. Ein Manul!!!!!!!!!!!

  3. Ich ziehe meine Brille eigentlich erst an wenn ich das Bad verlasse. Manchmal merke ich auch erst später, dass was nicht stimmt. Da scheine ich auf einem guten Weg zu sein. Habe aber auch ” nur” 2.5 bzw 2.75 Dioptrien.
    Die will ich aber auch so schnell wie möglich loswerden! !
    Lg Lili

    • Hey Lili,

      das klingt gut! Wenn du möchtest, kannst du versuchen, noch ein wenig achtsamer bei deinen Dingen zu sein.

      Sozusagen um morgens kurz festzustellen: “Ah, so sieht die Welt ohne Brille aus und das ist in Ordnung so.”
      Wenn du deine Brille aufsetzt, kannst du nochmal die Dinge anschauen und feststellen: “Oh, und so sieht es mit Brille aus. Das ist anders und auch in Ordnung.”

      Ohne Brille so zu sehen, wie du im Moment mit Brille siehst mag zwar erstrebenswerter sein, dennoch ist es jetzt erstmal so, wie es ist. Bei den 20 Minuten geht es also vor allem erstmal darum, die Lage zu akzeptieren, ohne sie direkt ändern zu wollen.

      Probier es gerne mal aus, wenn du magst. Oder auch nicht, wenn das zu abgehoben klingt 😀

      Viele Grüße und danke für deine zahlreichen Kommentare 🙂 Freut mich immer wieder.
      Boris

  4. Bei mir ist es eher andersrum. Ich setzte meine Brille nur manchmal auf. Ansonsten laufe ich den ganzen Tag ohne Brille rum, trotz meiner -3,25 Dioptrien.

    Mittlerweile ist meine Brille nicht mehr passend für meine Augen. Die Astigmatismus-Korrektur stimmt nicht mehr. Ich sehe teilweise mit Brille sogar schon Doppelbilder.

    • Hey Dilbert,

      danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass du Fortschritte hast! Die Doppelbilder sprechen tatsächlich dafür, dass die Astigmatismus-Korrektur nicht mehr ganz hinhaut.

      Wenn du sowieso schon die meiste Zeit ohne Brille unterwegs bist, ist das natürlich nichts für dich.

      Viele Grüße
      Boris

  5. Ich hab mir in den letzten zwei Monaten angewöhnt, meine Brille (immerhin -5,5 dpt) zuhause gar nicht mehr zu tragen (ausser beim Fernsehen). Schließlich ist im Haus irgendwie alles Naharbeit. Und siehe da: Meine Augen finden das wesentlich entspannender. Wenn ich die Fernbrille dann doch mal aufhatte, seh ich danach auch schlagartig schlechter. 🙂

    • Hey Ida,

      das kenne ich tatsächlich genau so auch von mir. Inzwischen variiere ich eigentlich ganz nach Geschmack zwischen Nah-, Fern- und gar keine Brille im Haus. Je nach dem was entspannter und angenehmer ist.

      In Innenräumen ist zwar alles mehr oder weniger nah, trotzdem hat der Ziliarmuskel auch noch zu tun. Man schaut ja dann doch nicht immer konstant auf die gleiche Entfernung. Daher ist es eher so ein Zwischending und welche Brille man dabei auf hat, ist meiner Meinung nach komplett Geschmackssache.

      Freut mich riesig, dass sich deine Augen anfangen zu entspannen. Und super gut, dass du das auch selbst merkst und sogar sehen kannst.

      Viele Grüße
      Boris

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