Siehst du die Bäume, den Mülleimer und das Vögelchen? Zeit für eine kleine Inventur in deinem Sichtfeld. Entdecke mit dieser kurzen Übung dein peripheres Sehen.

Was ist peripheres Sehen?

Wikipedia1 schreibt dazu folgendes:

Peripheres Sehen ist eine Form visueller Wahrnehmung, bei der nicht die zentrale Stelle der Netzhaut (Fovea) zum Fixieren eines Objekts benutzt wird, sondern dessen Wahrnehmung durch daneben gelegene (extrafoveale) Areale erfolgt. […] Im Gegensatz zum fovealen Sehen, bei dem die Gesichtslinie des Auges exakt auf das gewünschte Objekt ausgerichtet ist, […] liefert das periphere Sehen nur grobe unscharfe und optisch verzerrte Seheindrücke außerhalb eines festen Fixationspunktes.

Soll heißen: Wenn du auf ein Objekt schaust, ist alles außer dem Objekt in deinem peripheren Sichtfeld. Mit peripherem Sehen meine ich also, dass du deinen Blick zwar auf ein bestimmtes Objekt ausrichtest, deine bewusste Aufmerksamkeit allerdings auf einen anderen Bereich lenkst, ohne dabei deine Augen zu bewegen.

Peripheres Sehen im Selbstversuch

Probiere es einfach selbst aus. Es ist ganz simpel, die Auswirkungen sogar messbar zu machen. Nimm dir einfach ein wenig Neugier und 10–15 Minuten Zeit.

Peripheres Sehen

Mache eine Sehweiten-Messung, so wie du sie immer machst. Gehe dann für fünf bis zehn Minuten nach draußen oder zumindest an ein offenes Fenster mit gutem Tageslicht und der Möglichkeit, weit weg zu schauen. Ein Ort, an dem sich Dinge bewegen, ist optimal. Vielleicht an einer Straße oder einem Ort mit vielen Menschen oder zumindest ein paar Vögeln. Mache es dir bequem, atme einige Male tief durch und entspanne dich ein wenig.

Benutze dein peripheres Sehen

Setze deine Brille ab und schaue ganz normal entspannt nach vorne. Es gibt keinen Grund, besonders zu blinzeln oder irgendetwas besonders heftig anzustarren. Blicke einfach so wie immer nach vorne.

Ohne deinen Blick in eine andere Richtung zu bewegen, konzentriere dich auf die Objekte in den Randbereichen des Bildes, das du siehst. Was siehts du oben, unten, links und rechts? Kannst du Bewegeungen wahrnehmen? Siehst du Objekte durch dein Blickfeld wandern? Richte deinen Blick dabei aber weiterhin nach vorne. Deine Augen bewegen sich dabei nicht.

Achte darauf, wie weit außen du Objekte schon identifizieren kannst. Wie früh erkennst du die Farbe eines an dir vorbeifahrenden Autos? Wie lange kannst du einem durchs Bild laufenden Hund folgen? Bemerkst du, wie viele Bildinformationen in deinen Augen ankommen?

Peripheres Sehen

Mache innerlich eine Inventur von all den Dingen, die du sehen kannst. Siehst du die Bäume, den Mülleimer und das Vögelchen? Wie viele Menschen, Autos und Schilder sind in deinem Blickfeld? Verschaffe dir einen Überblick über all das, was sich vor dir abspielt.

Was hat sich verändert?

Wie fühlt sich das Ganze an? Wie verändert sich deine Wahrnehmung? Merkst du vielleicht, wie eine kleine Last von dir abzufallen scheint? Fühlst du dich vielleicht sogar ein wenig verbundener mit deiner Umwelt und dir selbst? Wie auch immer deine Antworten sind, alles was du dabei empfindest, ist genau richtig, so wie es ist.

Wenn du nach fünf bis zehn Minuten fertig bist, gehe wieder hinein und mache eine Sehweiten-Messung. Was hat sich getan? Kannst du vielleicht sogar ein wenig besser sehen? Auch hier ist jede Antwort möglich. Es geht einfach nur darum, dich ein wenig besser kennenzulernen.

Peripheres Sehen

Ich hoffe, du konntest eine kleine neue Erfahrung machen. Schreib mir gerne in die Kommentare, wie es für dich war und was du für dich daraus mitnehmen konntest. Ich freue mich über jede Rückmeldung 🙂

  1. Wikipedia. Peripheres Sehen