Sehtest und Brillenglasbestimmung – worauf achten?

Beim Sehtest (der eigentlich eine Brillenglasbestimmung ist) wird, meiner Meinung nach, oft zu viel des Guten getan. Dabei ist dem Optiker sicher kein Vorwurf zu machen, da er nur dafür sorgt, dass du Gläser bekommst, mit denen du jederzeit optimal sehen kannst.
Allerdings ist das Teil des gesamten “Kurzsichtigkeits-Problems”. Worauf ich beim Sehtest achte, um das möglichst Beste für mich herauszuholen, zeige ich dir hier.

Sehtest beim Optiker

Meine Optikererfahrung beschränkt sich bisher lediglich auf Fielmann, also kann ich nur meine Erfahrungen von dort als Grundlage nehmen.1 Nachdem die alten Brillenwerte vermessen sind und deine Korrekturwerte mit dem Autorefraktometer2 (das Ding, in das man guckt und einen Heißluftballon am Ende einer Straße sieht) bestimmt wurden, folgt meist die subjektive Brillenglasbestimmung am Phoropter3. Also der Teil, bei dem die Gläser eingestellt werden und du gefragt wirst, ob es besser oder schlechter wird.

Was möchte der Optiker für dich?

Wenn du auf dem Teststuhl sitzt, wird meist das Licht gedimmt und lediglich die Testbuchstaben sind noch beleuchtet. Der Optiker fragt, ob du mit dem einen, oder mit dem anderen Glas besser sehen, also mehr Buchstaben oder Zahlen erkennen kannst. Es geht darum, dass dein Auge möglichst wenig arbeiten muss, und du möglichst viel, möglichst einfach lesen kannst. Das klingt erstmal sinnvoll und genau nach dem, weshalb du zum Optiker gegangen bist. Ein Brille mit der du möglicht anstrengungsfrei auch bei schlechtem Licht, alles perfekt sehen kannst.

Das Problem

Allerdings ist das auch Teil des Problems, wieso du überhaupt so kurzsichtig geworden bist (Warum Kurzsichtigkeit entsteht). Und nochmal: Dem Optiker ist das sicher nicht zum Vorwurf zu machen. Das, was er tut, ist einfach die Gläser zu bestimmen, mit denen du auch an deinen schlechtesten Tagen in den schlechtesten Lichtbedingungen noch perfekt sehen kannst.

Das bedeutet aber wiederum auch, dass du an guten Tagen und in guten Lichtbedingungen ständig mit zu starken Gläsern herumläufst. Und das wiederum ist Teil des Problem, das deine Kurzsichtigkeit mit der Zeit schlimmer werden lässt.

Dabei glaube ich, dass den Optikern durchaus bekannt ist, wie sehr die Tagesform Einfluss auf deine Sehweite nehmen kann (Selbstexperiment siehe hier) und dass es da locker Unterschiede bis zu einer halben Dioptrie geben kann.

Die aktuelle Tagessehschärfe ist von Faktoren wie Nervosität, Stress oder etwa Medikamenteneinfluss abhängig. Sie können demzufolge auch die Messung beeinflussen. Der Augenoptiker achtet bei seiner Anamnese (Vorgespräch) deshalb nicht nur auf Ihre individuellen Bedürfnisse, sondern auch auf Ihre aktuelle Verfassung. 4

Allerdings war dieses Vorgespräch (zumindest in meiner bisherigen Erfahrung) noch nie(!) Teil der Brillenglasbestimmung. Kein “Haben Sie heute viel am Computer gearbeitet?”, kein “Haben sie heute eine erholsame Nacht gehabt?” oder Ähnliches.

Sehtest

Testzeit: 5 min 35

Auch schreibt Fielmann: “Die Untersuchung mit dem Phoropter dauert etwa 15 Minuten5. Bei mir hat der Test selten länger als fünf(!) Minuten gedauert. Vermutlich ist es einfacher dem Kunden die schnelle und unkomplizierte Lösung zu geben. Wir alle haben wenig Zeit. Blabla.

Was tun?

Was kann man tun, um beim Sehtest wirklich die Gläser zu bekommen, die einem optimal helfen, die Augen zu fördern und ihnen die Chance zu geben, das zu tun, wozu sie im Moment in der Lage sind.

1. Lerne, wie du selbst deine Sehweite bestimmen kannst

Wie das geht, habe ich hier beschrieben. Wenn du beginnst, selbst deine Sehweite zu bestimmen, lernst du auch, besser einzuschätzen, wie starke Gläser du wirklich brauchst und was zu viel des Guten ist. Du wirst auch merken, was für einen enormen Einfluss deine Tagesform auf deine Messungen hat.

2. Mache den Sehtest an einem guten Tag

Gehe am besten nach einem entspannenden Wochenende zum Optiker. Wenn du ausgeschlafen und erholt bist. Trage am besten auch einige Stunden vorher keine Sehhilfen (natürlich nur, wenn das kein Sicherheitsrisiko darstellt!), damit wirklich das vermessen wird, was dein Auge selbst schaffen kann.

3. Noch scharf statt mühelos scharf

Lass dir Zeit und versuche, ob du mit den schwächeren Glas noch eine Reihe mehr erkennen kannst. Schau nicht, was einfacher ist, sondern, was angenehmer ist (ein guter Optiker wird dich auch fragen, was angenehmer ist und nicht nur, womit es besser geht). Nimm dir Zeit und frage ruhig auch gezielt, ob du nochmal das schwächere Glas haben kannst. Versuche so viel wie möglich aus deinen Augen herauszukitzeln.

Entscheide dich lieber für das Glas, bei dem die Reihe noch geht, anstatt für das “alles super einfach Glas”.

Wenn der Optiker dich fragt, mit welchem Glas es besser geht, kannst du ruhig auch sagen: “Es geht mit beiden gut, kann ich das schwächere nochmal haben?”

Genauso, wie deine Augen sich an “zu starke” Gläser mit der Zeit gewöhnen, werden sie sich auch an diese Gläser gewöhnen.

Der Optiker hilft gerne

Meine Erfahrung ist, dass der Optiker gerne hilft und meist auch sehr bemüht ist, dass du gute und angenehme Gläser bekommst. Also frag ruhig nach, lass dir immer wieder verschiedene Gläser zeigen und achte auch darauf, was am angenehmsten für dich ist. Wie Fielmann selbst sagt, sollte die Brillenglasbestimmung gute 15 Minuten in Anspruch nehmen. Nimm dir diese Zeit.

Sehtest

Wie sind deine Erfahrungen? Läuft es bei anderen Optikern auch so? Hattest du Vorgespräche vor dem Sehtest? Mich interessiert, wie deine Erfahrungen sind.

  1. Fielmann. Die Sehstärkenbestimmung (Sehtest)
  2. Spektrum. Augenrefraktometer
  3. Wikipedia. Phoropter
  4. Ein mal im Jahr zum Optiker. Augenüberprüfung zur Brillenglasbestimmung
  5. Fielmann. Die Sehstärkenbestimmung (Sehtest)

6 Kommentare

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  1. Lieber Boris,

    zunächst erstmal vielen Dank und meine Bewunderung für deine tolle, sehr übersichtliche und gut verlinkte Homepage mit interessanten Artikeln.
    Bin immer noch dabei am Durchstöbern :-).
    Ich mache seit etwa Anfang September Augentraining und habe mir bisher auch fast immer bei Fielmann Brillen bestellt und zwar die zum Nulltarif, da ich die Fassung gut finde und ich sie ja nicht so lange anziehe bis ich mir wieder eine neue Brille mit schwächerer Stärke zu lege. Deshalb bin ich von dem Angebot der günstigen Brillen bei Fielmann sehr begeistert.
    Die Beratung bei Fielmann fand ich bisher meistens sehr nett und auch sehr umfangreich auch wenn man sich nur eine günstige Brille bestellt.
    Beim Sehtest wurde bei mir bisher bei Fielmann nie die Sehstärke maschinell bestimmt, nur beim Augenarzt.
    Die Stärke meiner Brille wurde gemessen.
    Wenn ich den Optikerinnen erzählt habe, dass ich Augentraining mache, wurde mir allerdings bisher immer erklärt, dass das nicht funktionieren würde und eine meine sogar, dass es schädlich sei, wenn ich meine Brille nicht tragen würde.
    Es ist ja gut, dass ich mich mit anderen darüber austauschen kann und dass ich selbst merke, dass ich besser sehen kann, wenn ich meine Brille öfters nicht trage, sonst würde mich so Aussagen schon verunsichern.
    Das letzte Mal war ich dann bei einem sehr netten Optiker. Ich habe ihm erzählt, dass ich Augentraining mache und dass ich gerne nur 80% Korrektur haben möchte um noch Autofahren und arbeiten zu können. Er meinte zwar auch, dass Augentraining nichts an der Länge des Augapfels ändern würde und deswegen an der Kurzsichtigkeit nichts ändern könnte, aber er war aufgeschlossen nur 80% zu messen und hat mir daraufhin auch extra einen Sehtest gegeben, den man speziell für die Tauglichkeit zum Führerschein macht. Also nicht mit Buchstaben und Zahlen, sondern mit Kreisen, die eine kleine Öffnung an verschiedenen Stellen hatten.
    Ich finde die Beratung bei Fielmann und auch bei zwei anderen Optikerläden, wo ich war, war bisher meistens sehr zuvorkommend, zeitnehmend und sehr freundlich. Auch wenn die Meinung bisher bei allen Optikern und Augenärzten, wo ich war, war, dass man eine Fehlsichtigkeit durch Augentraining nicht wegtrainieren/verbessern könnte.
    Ich finde man braucht dann weiterhin Motivation und Eigeninitiative um dran zu bleiben und nicht aufzugeben und sich sagen, dass kein sogenannter Experte die eigenen Augen/Sehkraft besser beurteilen kann als man selbst und dass die gemessen Werte beim Sehtest nicht immer das wiedergeben, was man subjektiv selbst wahrnimmt.
    Bisher konnte ich auch immer sehr schnell eine neue Brille bestellen, wenn ich mal keinen Sehtest machen wollte. Da ich ja auch schon ein Gestell bzw. mehrere Gestelle von Fielmann habe, konnte ich jetzt immer sagen, dass ich gerne das Gestell mit bestimmten Werten hätte. Das ging dann ganz schnell und meistens innerhalb von 3-4 Tagen ist die Brille dann fertig.
    Ich habe jetzt mehrere Brillen zu Hause und könnte fast auch ein eigenes Brillengeschäft aufmachen ;-).

    So das war es jetzt erstmal bzgl. Erfahrungen mit Optikern.

    Wie war es bei dir? Gab es auch schon mal Optiker, die dem Augentraining positiv gegenüber standen und dich motiviert haben damit weiter zu machen und dir evtl. sogar Tipps diesbezüglich gegeben haben?

    Liebe Grüße

    Nina

    • Hey Nina,

      erstmal vielen Dank für deinen so ausführlichen Kommentar. Freut mich, dass du deine Erfahrungen teilst. Und danke für deine netten Worte 🙂

      Mit Fielmann habe ich bisher auch nur positive Erfahrungen gemacht. Egal welchen “Extrawunsch” ich auch hatte, bisher hat sich das immer einrichten lassen. Außer ein wenig Skepsis und einigen Nachfragen, ob es einen Grund hat, weshalb ich gerne Brillen mit meinen eigenen Werten haben möchte, lief alles nach meinen Wünschen. Aber ich denke, dass die Nachfragen auch gerechtfertigt sind. Ich hatte dennoch immer das Gefühl, respektvoll behandelt zu werden.

      Dass du auch Optiker gefunden hast, die mit dir gezielt einen Sehtest für weniger als die üblichen 100 oder 120% machen, ist ziemlich super. Gute Info auch! Bin noch nie auf die Idee gekommen, einfach den Optiker zu fragen.

      Was Augentraining angeht, bin ich um ehrlich zu sein, auch eher skeptisch und habe daher auch keine Erfahrungen damit, wie Optiker/Augenärzte dem entgegenstehen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass man seine Kurzsichtigkeit selbst in die Hand nehmen kann und definitiv Verbesserungen möglich sind.

      Wichtig ist doch, was für dich funktioniert. Wenn du mit Augentraining Fortschritte machst und sich das gut für dich anfühlt, dann ist das weltklasse! Lass dir das weder von Optikern noch von mir ausreden 🙂

      Viele Grüße
      Boris

      • Hallo Boris,

        Augentraining ist ja auch ein sehr weiter Begriff.
        Am Anfang habe erstmal ein paar Bücher dazu gelesen und dann regelmäßig Augenübungen gemacht wie Augen bewegen, hoch und runter, zur Seite, Augen rollen, usw.
        Mittlerweile mache ich das nicht so intensiv.
        Mein Fokus liegt mehr darauf, meine Brille so oft wie es geht auszuziehen und vor allem in der Natur mit meinen Augen ohne Hilfsmittel zu sehen und wahrzunehmen ohne Stress bestimmte Sachen scharf zu sehen. Das mag ich am meisten. Nur leider gibt es immer noch einige Situationen wo ich einfach eine starke Brille brauche, vor allem auf der Arbeit.
        Besonders gerne mag ich das Palmieren und das Sonnen der Augenlider.
        Außerdem gebe ich meinen Augen/meinem Gesicht öfters eine Massage und mache ab und zu die Ganzkörperübungen nach Norbekov.
        Des Öfteren meditiere ich und mache Yoga.

        Was machst du denn genau?
        Was bedeutet für dich Augentraining?
        Hast du bestimmte Übungen auch schon gemacht und worauf kommt es dir jetzt an bzw. was findest du jetzt am Wichtigsten für deine Augen?

        Liebe Grüße

        Nina

      • Hey Nina,

        freut mich sehr, dass du etwas gefunden hast, was angenehm für dich ist und du gerne machst 🙂

        Was genau ich mache, versuche ich auf der Website zu dokumentieren 😉 also schau dich gerne um.

        Gefühlt habe ich alle Augenübungen durch, die sich jemals jemand ausgedacht hat (sogar die, bei denen die Augen nichtmal beteiligt sind). Klappt am Anfang ganz gut, aber danach (zumindest für mich) nicht mehr. Ein paar Monate lang gibt es Verbesserungen, vielleicht eine Dioptrie weniger, danach kommt meist nichts mehr.

        Eigentlich sind es jetzt bei mir drei Faktoren:

        1.) Entspannter Ziliarmuskel – Hier können Augenübungen tatsächlich helfen
        2.) Keine Reize, die das Auge zum Längenwachstum anregen – Im Wesentlichen also weniger starke Brille für Naharbeit
        3.) Viele positive Reize (myope Defokussierung), die das Auge anregen, kürzer zu werden – Konkret: Aktives Fokussieren, schwächere Fernbrille, viel Draußen sein, gute Beleuchtung, etc.

        Wenn gute Gewohnheiten etabliert sind, kommen die positiven Reize “von alleine”. Den Rest macht die Biologie des Körpers. Abwarten, Tee trinken, Leben genießen und hin und wieder eine schwächere Brille 🙂 Augenübungen mache ich persönlich nicht.

        Viele Grüße
        Boris

  2. Sorry, mein Kommentar oben ist doch etwas lang geworden. Ich habe einfach drauf losgeschrieben. He he. Ich hoffe man kann ihn trotzdem lesen.

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