Spaziergang ohne Brille

Bei einem Spaziergang ohne Brille kannst du optimal testen, was deine Augen schon können. Auch wenn es erstmal wenig spannend klingt, wird das ein enormer Motivationsschub für dich sein.

Falls du jetzt schon eine Weile an deiner Kurzsichtigkeit arbeitest, habe ich hier noch eine Praline für dich. Du startest deinen Morgen ohne Brille und willst noch mehr? Kannst du haben!

Das nächste Level

Schnapp dir dein Brillenetui und pack deine Brille ein. Nimm sie sicherheitshalber mit auf deinen Spaziergang. Das hier soll dich ein kleines bisschen herausfordern aber trotzdem Spaß machen und angenehm sein. Am besten ist es, wenn draußen die Sonne scheint. Falls nicht, auch kein Problem.

Als ob dich Regen aufhält?! Du bist gerade dabei, herauszufinden, wie du Kurzsichtigkeit in den Griff bekommen kannst! Eine Epidemie, von der bald die Hälfte der Weltbevölkerung betroffen ist.1

ohne Brille

Überlege dir eine kurze Route um dein Haus oder deine Wohnung. Am besten eine ohne viel Verkehr und Menschen. Vielleicht um die 10–20 Minuten. Schnür deine Schuhe und los gehts. Wann warst du das letzte man ohne Brille draußen?

Genieße, was du sehen kannst

Schau dich um. So sieht die Welt für dich aus. Genieße es. Zwar ist die Welt verschwommen, aber sie kommt direkt und ungefiltert in deine Augen. Kein Rahmen, der von allen Seiten das Bild beschneidet.

Merkst du, wie viel mehr Licht und wie viel mehr Informationen in deine Augen kommen? Achte darauf, was in den Randbereichen deines Blickfeldes passiert.

Unglaublich, wie viel mehr deine Augen eigentlich wahrnehmen. Oben, unten, links und rechts. Da wo sonst deine Brille zu Ende ist, passiert ein Haufen interessantes Zeug.

Auto oder Müllcontainer?

Erfreue dich an den Dingen, die du erkennen kannst. Es ist gut so, wie es ist. Kannst du ein Auto von einem Müllcontainer unterscheiden? Falls ja, weltklasse! Falls nicht, auch weltklasse! Freue dich darauf, dass du es bald können wirst.

Ist es ein Bagger oder ein Postauto? Eine schwarze Katze oder ein Rabe? Finde heraus, was du schon alles erkennen kannst.

Ohne Brille

Es ist eine fliegende Katze!

Bleibe sicher

Achte aber darauf, dass du dich und andere nicht in Gefahr bringst. Falls du mehr als -5,00 dpt kurzsichtig bist, ist das vielleicht nichts für dich.

Zwischen -3,00 und -5,00 dpt dürfte der Spaziergang eine ziemliche Herausforderung für dich sein. Gut möglich, dass du beim Straße-Überqueren nicht erkennst, ob ein Auto kommt. Suche dir eine Route, die sicher ist.

Bei unter -3,00 dpt dürfte der Spaziergang kein Problem für dich sein.

Gehe wirklich keine Risiken ein. Was du tust und was du nicht tust, ist allein deine Verantwortung.

Ohne Brille, ohne Filter

Mache den Spaziergang ruhig zu einer regelmäßigen Gewohnheit. Vielleicht ein mal pro Monat, pro Woche oder jeden Tag. Je nach dem, wie sicher du dich damit fühlst und ob Spazierengehen dein Ding ist.

So bekommst du immer wieder den Blick dafür, wo du gerade stehst. Das Gefühl, wenn du plötzlich Dinge sehen kannst, die früher absolut unvorstellbar für dich waren, ist der Wahnsinn. Genieße jeden Fortschritt und jedes Stückchen mehr Klarheit. Schließlich ist es das, wofür du das machst. Damit du die Schönheit der Welt vollkommen ohne Filter in dich aufnehmen kannst.

Ohne Brille

Wie sind deine Erfahrungen damit? Wie stark ist deine Kurzsichtigkeit und wie gut und sicher hast du dich beim Spaziergang gefühlt? Was hat geklappt, obwohl du es vorher nicht für möglich gehalten hast? Schreib mir gerne unten in die Kommentare.

  1. Holden et al. Global Prevalence of Myopia and High Myopia and Temporal Trends from 2000 through 2050. Ophthalmology (2016)

9 Kommentare

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  1. Ich habe über -5 Dioptrien und komme auch so ganz gut beim spazieren gehen klar. Daher würde ich sagen, dass es jeder einmal probieren sollte, egal wie kurzsichtig er/sie ist.

    Beim Straße queren ist aber auf jeden Fall Vorsicht geboten. Hier besonders viel Zeit nehmen und genau hinsehen. Besser ist es jedoch solche Stellen einfach zu meiden.

    Ein weiteres Problem ist, wenn man auf Bekannte trifft. Sie erkennen dich von weitem, du sie aber nicht. Da läuft man schnell Gefahr für unhöflich gehalten zu werden.

    • Hey Patrick,

      danke für deinen Kommentar. Spannend! Ich war selbst nie ganz bei -5 Dioptrien, hätte es mir aber in Zeiten von -4,50 dpt nicht zugetraut. Kommt aber wahrscheinlich auch ganz darauf an, wo man unterwegs ist und wie gut man sich mit der Verschwommenheit fühlt.

      Das Problem mit dem Wiedererkennen von Bekannten kenne ich auch. Unangenehm! Gibts aber auch andersherum. Ich habe auch schon den einen oder anderen gegrüßt, den ich gar nicht kannte 😀

      Viele Grüße
      Boris

  2. Hi Boris,

    danke für diesen mal wieder tollen Beitrag!

    Was ich merke, seitdem ich meine Kurzsichtigkeit umkehre, ist, dass ich vor allem bei gewissen Fernseh-Inhalten viel mehr mitbekomme.
    Als ich zum Beispiel gestern Fußball geschaut habe, ist mir wieder aufgefallen, wie viel ich sonst gestarrt habe, und wie wenig ich dadurch sonst wahrgenommen hab.

    Jetzt sind meine Augen schon viel beweglicher und springen mehr herum, wodurch ich viel mehr vom Spiel mitbekomme – nicht nur grob über das ganze Spielfeld und Stadion verteilt, sondern auch kleine Details bei den Spielern.
    Meine Augen springen mehr herum, ich starre nicht nur auf den ballführenden Spieler, sondern nehme auch den Rest wahr. Unglaublich – und eigentlich das Natürlichste auf der Welt! Ich habe das Gefühl, als hätte ich sonst nicht mal annähernd alles mitbekommen.

    Auch bei Filmen fällt mir oft auf, wie wenig ich mitbekomme, wenn schnell viele Schnitte aufeinander folgen. Zum Glück schaue ich nicht oft solche (Action-)Filme, aber wenn, dann dachte ich mir sonst immer: “Mach doch mal nicht so schnell! Wer soll das denn alles sehen?!”
    Jetzt weiß ich, dass das an meiner Kurzsichtigkeit und der Unbeweglichkeit meiner Augen liegt, dass es mir sehr schwer fällt, schnell optisch Informationen aufzunehmen. Und ich bemerke, dass mein Gehirn noch ein Bisschen Schwierigkeiten hat, da mitzukommen. Aber es lernt!

    Ich habe auch schon gemerkt, dass ich ganz ohne Brille auf eine gewisse Art viel mehr Informationen aufnehme bzw. die Welt viel echter erscheint als durch diese begrenzende Krücke.

    Liebe Grüße
    Tobias

    • Hey Tobias,

      super gut! Freut mich, dass du auch Verbesserungen im Alltag mitbekommst. Tatsächlich fühlt man sich meiner Erfahrung nach einfach näher an der Welt dran.

      Je dünner die Gläser werden und je entspannter die Augen sind, desto mehr kommt einfach bei einem an. Die Welt wird einfach lebendiger.

      Freut mich echt, dass du das hier teilst! Super Sache 🙂

      Viele Grüße
      Boris

  3. Hallo Boris und alle anderen,

    ich habe auch die Erfahrung wie Patrick gemacht, dass es mit mehr als -5 Dioptrien auch möglich ist einen Spaziergang ohne Brille zu machen.
    Am Anfang hatte etwa -7,00 plus Astigmatismus von -1,25 auf beiden Augen und bin ohne Brille spazieren gegangen. Zunächst eher nur in Parks oder im Wald (ohne viele Menschen und Verkehr). Aber es ging ziemlich schnell, dass ich mehr Sicherheit bekommen habe und dann auch durch die Stadt und auch über Straßen gegangen bin. Normalerweise habe ich meine Brille (mittlerweile meistens -5,00) immer dabei, falls ich sie doch brauche.
    Aber ich habe mit der Zeit gemerkt wie sich meine Augen daran gewöhnen ohne Brille zu sehen und viele Details wahrnahmen und wie ich immer besser Dinge unterscheiden konnte.
    Mittlerweile fahr ich auch kurze Strecken ohne Brille Fahrrad. Ich kann zwar nicht alle Straßenschilder lesen, aber auf ruhigen Strecken geht es ganz gut. Ich bin manchmal erstaunt wie klar ich bestimmte Sachen sehen und erkennen kann.

    Obwohl einmal hatte ich auch eine witzige Situation. Ich gehe nachts auf dem Nachhauseweg durch die Stadt ohne Brille. Es ist keiner unterwegs und ich komme an eine Straße mit Ampel. Die Ampel ist auf rot. Da aber keiner (meine ich) unterwegs ist und auch keine Autos fahren, gehe ich über die Kreuzung und über die rote Ampel. Allerdings stand auf der anderen Straßenseite ein Polizeiauto, was ich einfach nicht wahrgenommen hatte. Ein Polizist steigt aus und meint, dass es ziemlich dreist wäre, dass ich über die rote Ampel gehe, obwohl die Polizei auf der anderen Straßenseite steht.
    Darüber kann ich mich heute noch kaputt lachen.

    Ich gehe fast täglich für ein paar Minuten bis ein/zwei Stunden ohne Brille spazieren. Und ich finde es hängt nicht unbedingt nur von der Dioptrienstärke ab, sondern auch von Gewohnheit.

    Ich weiß nämlich noch als ich vor etwas 2 Jahren keine Brille und keine Kontaktlinsen Zuhause hatte und ich mit dem Zug dafür in die nächste Stadt fahren musste, dass ich mich ohne Kontaktlinsen total unwohl gefühlt habe. Mittlerweile bin ich da viel entspannter und sicherer ohne Hilfsmittel und erkenne und sehe viel mehr

    Liebe Grüße

    Nina

    • Hey Nina,

      danke fürs Zeit-Nehmen und deinen so ausführlichen Kommentar!

      Stark, hätte nicht gedacht, dass man sich auch mit höheren Dioptriewerten noch gut und gerne heraustraut. Wieder etwas gelernt 🙂

      Gewöhnung und die Umgebung spielen sicher ziemlich stark mit hinein. Ich weiß auch von mir, dass die ersten Male am verunsicherndsten waren. Mit jedem Mal merkt man dann, wie viel mehr die Augen schon erkennen können.

      Und natürlich ist ein Park/Wald oder eine ruhige Umgebung super für den Einstieg. Ich hatte mit mir selbst schon genügend zu tun, als ich mich die ersten Male ohne Brille hinausgetraut hatte. Straßenverkehr und zu viele Menschen hätten mich sicher schnell überfordert. Inzwischen alles kein Problem.

      Viele Grüße
      Boris

  4. Ich gehe sehr gerne spazieren und ich liebe es, ohne Brille draußen unterwegs zu sein. (Rechts -3,25 Dioptrie, links -3,5 Dioptrie)
    Ich liebe es, wie ich die Bäume etc. auch rechts und links von mir wahrnehme – nicht nur gerade aus, wo mir die Brille ein scharfes Sehfeld ermöglicht hätte. Und unter mir ist der Boden und oben der Himmel und … Es ist so VIEL und alles so schön!
    Oh, klar ist es unscharf 😉 Aber solange ich alleine unterwegs bin, stört mich das überhaupt nicht! Nur, wenn jemand anderes dabei ist, der sagt: “Guck mal dadrüben, was ist denn das?” Oder: “Siehst du den Fuchs dahinten?” … Dann ist es ein wenig frustrierend.

    Gestern hatte ich eine besondere Herausfoderung. Ich bin abends mit meinem Mitbewohner spazieren gegangen, immer weiter ins Gebirge rein, total ungeplant. Da war dann ein sehr steiler Anstieg (ca. 20 Minuten lang), über einen Hang, der voller abgeholzter Baumstämme, Ästen und Wurzeln lag. Hinauf war schon spannend, aber auf dem Rückweg war es schon dämmrig – ich habe eigentlich gar nichts mehr erkannt unter mir. Also nach Gefühl absteigen, mich ganz auf meine Füße verlassen ohne sie mit den Augen steuern zu können.
    Ich habe sehr, sehr viel Bergsteig-Erfahrung, daher ging das. Aber es war definitiv ein Nervenkitzel.
    Ich bin nicht hilflos ohne Brille – auch wenn manches dann eben länger dauert (und der Mitbewohner unten gute 5 Minuten auf mich warten musste).

    • Hey Ninu,

      spannend! Ich bin begeistert, wie unterschiedlich doch die Herausforderungen sind, die man ohne Brille annimmt. Ich bin ja auch in einem ähnlichen Dioptriebereich und weiß nicht, ob ich mir das zugetraut hätte. Vor allem in der Dämmerung bin ich dann doch sehr unsicher. Und dann noch auf so einem Weg. Super gut, Respekt!

      Und ja! Ich finde es auch immer super schön und irgendwie befreiend, wenn das Blickfeld plötzlich viel viel größer ist. Denkt man vorher gar nicht. Obwohl dann alles unschärfer ist, habe ich das Gefühl doch viel mehr zu sehen.

      Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen. Freut mich 🙂

      Viele Grüße
      Boris

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