Viel hilft viel – Was passiert bei zu viel Verschwommenheit? (1/2)

Mehr ist nicht immer besser. Oft hilft wenig viel mehr als viel. Was bei zu viel Verschwommenheit passiert, musste ich schmerzvoll am eigenen Leib erleben.

Wo sind die Verbesserungen, Boris? Du sagst also, dass das hier alles funktioniert? Aber was ist mit dir? Warum passiert bei dir nichts mehr?!

Berechtigte Fragen! Ich liebe eine ordentliche Portion Skepsis. Besonders im Internet. Hier Blödsinn zu verbreiten, ist einfach. Und zu erzählen, dass dies und das funktioniert, noch viel einfacher. Wer gut aufgepasst (oder mich einfach gefragt) hat, weiß, dass ich seit Monaten keine Verbesserungen mehr habe (seit Juli 2016, um genau zu sein). Aber wieso?! Und wieso schreibe ich immer noch, dass das alles hier funktioniert.

viel Verschwommenheit

Wie mein Kommilitone Stani zu sagen pflegte:

Nun ja,… Ähm… Da kommen viele Faktoren zusammen.

Schnelldurchlauf

Mit -4,75 dpt (-2,25 dpt Astigmatismus) im Juni 2015 angefangen zu recherchieren. Auf Augenübungen gestoßen, sie gemacht, eine halbe Dioptrie verloren, weitergemacht, monatelang nichts mehr passiert, wieder aufgehört.

Mehr recherchiert, die Wissenschaft hinter Kurzsichtigkeit entdeckt, Zusammenhänge verstanden, Endmyopia gefunden und all meine nicht benötigten inneren Organe verkauft, um mir den Zugang zu BackTo20/20 leisten zu können. Et voilà, noch eine halbe Dioptrie weniger.

viel Verschwommenheit

Oh man, Augenübungen…

Wie ein Aal

Alles flutschte, ich bekam ein Gefühl dafür, wie es läuft und habe Brillenpanda gestartet, um meine Erkenntnisse zugänglich zu machen. Inzwischen hatte ich mich gut an meine Fernbrille mit -3,25 dpt (-1,75 dpt Astigmatismus) gewöhnt und wollte am Astigmatismus arbeiten.

Gemächlich runter auf -1,50 dpt CYL-Korrektur war der Plan. Damals noch mit Zugang zum BackTo20/20 Forum, tipp, tipp, Jakes Meinung angefragt. Sein Vorschlag: Ruhig agressiver direkt runter auf -1,00 dpt CYL-Korrektur.

Meine Augen begannen sofort zu funkeln. Was für ein brillanter Vorschlag. Ich kannte die vielen Erfolgsgeschichten vom mysteriös verschwindenden Astigmatismus auf seiner Seite. Sollte auch ich bald endlich einer von den Auserwählten sein? Zugegeben, ich war scharf wie eine Habanero, möglichst schnell eine möglichst kleine Dioptrienzahl zu haben.

viel Verschwommenheit

Definitiv keine Habanero

Ich war geblendet. Schnelle Erfolge. Ja, ich hatte sie tatsächlich gefunden: Die sagenumwobene Abkürzung. Wessen Gehirn springt nicht direkt drauf an?

Pah! Schmeiß weg die CYL-Korrektur!

Woran ich nicht gedacht habe

Ich vergaß meinen Plan. Naja… und dass ich die selbstverschwindenden CYL-Dioptrie schon längst verloren hatte.

Brille bestellt, Brille bekommen. Es war nicht allzu erfreulich. Keine Chance, irgendetwas scharf zu stellen. Ständig astigmatische Verschwommenheit. Ich quälte mich durch, ging später sogar noch eine viertel Dioptrie mit der Sphäre runter. Die Sehweite stieg zwar ein wenig, aber gegen die astigmatische Verschwommenheit hatte ich einfach keine Chance. Meine Augen versuchten und versuchten, aber es gelang nicht.

Vier Monate verstrichen. Inzwischen hatten meine Augen aufgehört, es überhaupt noch zu versuchen. Noch viel schlimmer. Selbst mit meiner alten stärkeren Fernbrille von früher, konnten meine Augen das Bild nicht mehr scharf stellen. Das Einzige, was noch einigermaßen ging, waren meine Kontaktlinsen ganz ohne CYL-Korrektur.

viel Verschwommenheit

Keine gute Idee

Du ahnst, was jetzt kommt. Ich habe beschlossen, die CYL-Korrektur einfach komplett rauszunehmen. Tipp, tipp, BackTo20/20 Forum, Jake sagt: Gute Idee! Ich bin motiviert, noch schärfer auf die kleinen Dioptrienzahlen, bestelle mir die neue Brille und lege los. Meine Augen fangen wieder an zu arbeiten, der Winter kommt, gute fünf Monate verstreichen.

Das ernüchternde Resultat: Nichts tut sich. Meine Messwerte bleiben gleich. Meine Augen resignieren wieder, ich sehe alles verschwommen. Selbst mit den Brillen, an die ich mich einst gewöhnt hatte, keine Chance. Mein System verzweifelt und kann das Bild nicht scharf stellen.

Langsam sickert die unangenehme Erkenntnis ein. Nicht nur, dass ich die letzten acht Monate keine Verbesserungen habe. Nein:

Ich habe die letzten acht Monate dazu benutzt, meinen Augen abzutrainieren, überhaupt ein scharfes Bild zu erzeugen.

Keine schöne Sache. Ich habe die Abkürzung gefunden. Leider war das Ziel nicht das, was ich mir erhofft hatte.

viel Verschwommenheit

Ja, hier ist tatsächlich Schluss. Hier gibts den zweiten Teil. Dort erfährst du, wie ich mich wieder herausarbeite, was die Lektionen sind, die ich dabei gelernt habe und wie es um Brillenpandas Zukunft steht.

23 Kommentare

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  1. Na da bin ich aber gespannt wies weitergeht/-ging.

  2. Uhhhh, das Katzi! 🙂

  3. Hoffentlich werden wir nicht zu lange auf die Folter gespannt, bis Teil 2.

  4. Hallo Boris,
    ja bin gespannt auf Teil 2 und danke für den ersten Teil!!

  5. Hm, wenn ich das so lese, dann müsste der Tag ohne Brille ja genau das Falsche sein, denn da ist ja auch ein “Zuviel” an Verschwommenheit.
    Da stellt sich mir auch die Frage, ab wann ist es zu viel? Bei zwei Dioptrien, bei einer oder bei 0,5 und gilt das nur für den Zylinder?

    Lg
    Peter

    • Hey Peter,

      das sind alles sehr gute Fragen! Ich glaube um ehrlich zu sein allerdings nicht, dass es eine so pauschale Antwort darauf gibt.

      Den Tag ohne Brille habe ich dabei jedoch immer als sehr sehr gut empfunden. Am Tag drauf war es subjektiv (und häufig auch objektiv) direkt ein ordentliches Stück besser.

      Viele Grüße
      Boris

  6. Wundert mich, ehrlich gesagt, ein bißchen, denn nach allem was ich von Jake gehört und gelesen habe (ich bin allerdings nicht in der Back to 20/20-Gruppe), warnt er immer vor zu großen Schritten, warnt davor mehrere Dinge gleichzeitig anzupacken, und den visuellen Cortex zu überfordern, besonders bei hoher Myopie.
    Ich hätte gedacht, der Rat würde lauten: Reduziere langsam erst nur deine Sphäre, und laß alle anderen Werte unverändert.
    Todd Becker ist auch für ein langsames Eins-nach-dem-Anderen.

    • Micha: ich glaube Jake hat seine Meinung geändert: früher fand er große Schritte besser als heute.

    • Heißt das jetzt nach neuesten Empfehlungen, dass für die Fernbrille 0,75dpt weniger als die Optikerbrille (Visus 0,7 – 0,8 in Innenräumen) bereits ein zu großer Schritt ist?

      • Die Empfehlungen bewegen sich im Bereich -0,25 bis -0,75 D. Das muß man individuell einschätzen und hängt sicher auch von der vorhandenen Dioptrienstärke ab und davon, ob die verschriebene Brille überkorrigiert ist. Aber darüber hinaus würde ich nicht gehen.

    • Hey Micha,

      nach außen hin, ist das auch so. In BackTo20/20 gibt es dann ja praktisch persönlich angepasste Ratschläge, die dann zum Teil auch etwas anders lauten als die, die er im Blog gibt.

      Langsam wäre aber auch bei mir der bessere Weg gewesen. Weiß man natürlich aber erst hinterher.

      Viele Grüße
      Boris

  7. Hoppla. Das wird mir eine Lehre sein. Etwas mehr Geduld könnte mir auch nicht schaden.

  8. Hey, häng’ auch seit einiger Zeit fest mit meinem “besser Sehen”,muss aber zugeben dass ich die Eselsweisheiten-übungen arg vernachlässigt habe…😬
    Meistens lauf’ ich aber ohne Brille herum😁

    • Dann drücke ich die Daumen, dass du wieder Lust und Motivation findest. Aber ein paar kleine Durchhänger sind ja völlig normal. Das Ganze soll ja auch Spaß machen 🙂

  9. Och man, Boris, das tut mir leid für dich. Das heißt ja sozusagen, nochmal zurück auf Start. Tja, das soll uns allen eine Lehre sein, nicht zwei Schritte auf einmal gehen zu wollen. Bin gespannt auf Teil 2.

    • Danke für dein Mitgefühl 🙂 So ganz auf Start ist es zum Glück ja nicht. Immerhin habe ich eine Menge dabei gelernt und kann vielleicht auch dem einen oder anderen ähnliche Fehler ersparen.

  10. Hm, hast Du bei der Cyl-Abschwächung die Sphäre entsprechend erhöht? So ist, glaube ich, die aktuelle Jake-Empfehlung.

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