Viel hilft viel – Was passiert bei zu viel Verschwommenheit? (2/2)

Ich habe meinen Augen viel Verschwommenheit zugemutet. Zu viel. So viel, dass ich nicht mehr wusste, wie ich überhaupt ein scharfes Bild erzeugen konnte.

Hier geht es zum ersten Teil.

Langsam sickert die unangenehme Erkenntnis ein. Nicht nur, dass ich die letzten acht Monate keine Verbesserungen habe. Nein:

Ich habe die letzten acht Monate dazu benutzt, meinen Augen abzutrainieren, überhaupt ein scharfes Bild zu erzeugen.

Der Weg zurück

Auch wenn es hart ist, es hilft nichts. Die acht Monate kann ich nicht rückgängig machen. Ich muss von vorne anfangen und für die Zukunft lernen. Also zurück zu einer Brille, die zu meinen Messwerten passt und noch ein wenig Luft nach oben lässt: -3,25 dpt (-1,25 dpt Astigmatismus) und langsam lernen, wieder scharf zu stellen.

viel Verschwommenheit

Gute zwei Monate bin ich jetzt dabei. Es klappt. Unfassbar langsam, aber meine Augen kommen zurück zum scharfen Bild. Meine Messwerte sind zwar gleich, aber subjektiv geht es bergauf. Die Mehrfachbilder werden weniger und von Zeit zu Zeit genieße ich sogar mal zehn Sekunden perfekte Schärfe. In der ganzen Zeit hatte ich schon ganz vergessen, wie sich das anfühlt.

Notiz an mich selbst

Ich weiß nicht, wie oft noch: Es gibt keine Abkürzung! Übernimm Verantwortung und halte dich an deine eigenen Ratschläge. Ja, hole dir Meinungen ein, aber triff deine Entscheidungen selbst. Lasse dich nicht von schnellen Erfolgen locken. Wenn du einen gut durchdachten Plan hast, bleib dabei.

Wenig hilft viel. Deine Augen brauchen minimale Unschärfe. Zu viel, und es passiert gar nichts. Jede Unschärfe ist auch Stress für das visuelle System. Vor allem brauchst du tonnenweise scharfe Bilder. Und ein wenig Unschärfe. Ein wenig.

viel Verschwommenheit

Würfle deine Brillen nicht durcheinander. Lasse dir Zeit, dich an deine Brille wirklich gut zu gewöhnen. Kleine Schritte. Entspanne dich. Genieße den Prozess. Es wird alles gut laufen. Wenn es länger dauert, dauert es eben länger. Wo möchtest du so schnell ankommen?

Schluss mit Brillenpanda?

Ich hoffe, dass du ein wenig aus meinen Fehlern lernen kannst. Ich weiß, dass sich alles hier so anhört, als hätte ich die Weisheit für mich gepachtet. Aber das ist einfach, wie ich gerne schreibe. Ich bin auf demselben Weg wie du. Ich will herausfinden was geht und was nicht. Ich lese, ich recherchiere, suche meine Antworten und probiere Neues aus. Und dabei geht mal etwas schief.

viel Verschwommenheit

Er würde sich am liebsten mit der flachen Hand gegen den Kopf schlagen…

Vielleicht heißt es auch, dass du dem hier noch skeptischer gegenüber stehst oder Brillenpanda ganz den Rücken kehrst. Und das ist gut so, wenn es sich richtig für dich anfühlt. Aber vielleicht kannst du doch irgendeinen Nutzen für dich daraus ziehen und siehst, dass auch hier nur ein Mensch in die Tasten haut, der nicht immer so genau weiß, was er tut.

Genau darum geht es mir hier. Ich will mit dir teilen, was funktioniert und was nicht. Glaube mir, ich habe noch haufenweise Themen für Blogbeiträge, bei denen ich es kaum erwarten kann, sie endlich zu schreiben. Aber ich kann es nicht. Noch nicht.

Weil es funktioniert

Ich will erst sicher gehen, dass es funktioniert. Alles, was ich hier schreibe, habe ich an mir selbst ausprobiert. Das Entscheidende ist, dass es funktioniert. Nicht nur, dass es funktionieren müsste, weil es sich stimmig anhört.

Wenn ich dir hier beschreibe, wie du die optimale Stärke für deine Nahbrille findest, steckt da meine eigene Erfahrung drin. Weil ich den Prozess selbst schon durchlaufen habe und es in der Praxis solide funktioniert. Du findest hier nichts, das ich nicht an mir selbst ausprobiert hätte.

Klar, ich hätte einen Beitrag schreiben können “Astigmatismus loswerden — Wie du deine CYL-Korrektur auf Null reduzieren kannst” und dir empfehlen, dass du einfach die CYL-Korrektur komplett weglassen kannst. Es klingt absolut logisch: CYL-Korrektur raus, aktiv fokussieren, das Auge passt sich an, zack, Astigmatismus weg. So argumentiere ich hier dauernd.

Und soll ich dir etwas verraten? Genau diesen Beitrag hätte ich liebend gerne geschrieben… Wenn es denn funktioniert hätte. Wenn es bei mir funktioniert hätte, hätte ich dir nahegelegt, es auch bei dir auszuprobieren. Der einzige Qualitätstest, den meine Beiträge hier durchlaufen müssen, ist, dass sie bei mir funktionieren. Ja, sogar Rechtschreibung ist mir egal, solange es funktioniert.

viel Verschwommenheit

Ich hoffe, dass du ein wenig für dich mitnehmen kannst. Ich selbst schaue jetzt, dass ich Stück-für-Stück wieder lerne, klar zu sehen. Keine Ahnung, wie lange das dauern wird und keine Ahnung, ob ich jemals komplett ohne Brille leben werde. Aber ich bin bereit, es herauszufinden. Und ich werde es mit dir teilen.

Lass mir gerne einen Kommentar hier, wenn du magst. Das ist wirklich das Schönste an der ganzen Sache hier für mich. Wenn ich merke, dass irgendjemand auch nur den kleinsten Nutzen aus meinen Inhalten ziehen kann.

14 Kommentare

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  1. Hey Boris

    “Den kleinsten Nutzen aus deinen Inhalten ziehen”. Hm, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube, das tut jeder, der deine Seite kennt. Ohne dich wären wir alle nicht da, wo wir jetzt sind.
    Kann ja nur für mich sprechen, aber ich habe einen Weg eingeschlagen, bin gestolpert, bin gefallen, liegen geblieben, bin immer wieder aufgestanden und habe dabei Erfahrungen gemacht, die unschätzbar sind. Du aber hast mir diesen Weg gezeigt und ich bin dir dankbar dafür.

    Auch ich lerne gerade, dass es mehr Zeit braucht, als ich zuvor gedacht habe. Aber egal, Zeit habe ich ja, auch wenn ich das gerade lernen muss.

    • Hey Peter,

      danke für die netten Worte 🙂

      Das ganze Unterfangen ist in der Tat langwieriger als anfangs gedacht. Auch ich musste immer wieder über meine Erwartungshaltung nachdenken und meine oft zu ambitionierten Ziele überdenken. Was ich auf jeden Fall schon gelernt habe, ist, geduldiger mit mir und meinen Augen zu sein.

      Beste Grüße
      Boris

  2. Boris,

    Ich wollte einfach VIELEN DANKE sagen. Ich habe hier viel gelernt.

  3. Ah, noch was: bleib dran, wir schaffen es

  4. Hallo Boris,

    scheint so, als sitzen wir gerade in einer ähnlichen Situation fest. Meine Tochter hat im Urlaub meine Fernbrille in die Finger bekommen, der Bügel war ab und ich musste mit der Reparatur warten, bis wir wieder zu Hause waren. Somit hatte ich eine Woche Zwangspause mit aktivem Fokussieren. Habe aber dafür sehr viel in die Ferne gesehen.
    Eigentlich kam ich mit meiner Fernbrille super zurecht, keine Doppelbilder, an den meisten Tagen alles scharf, aktives Fokussieren fiel mir leicht. Soooo, nun habe ich letzte Woche hoch motiviert meine Fernbrille aufgesetzt und nichts geht mehr:-(. Ich schaffe es nicht mehr vernünftig zu fokussieren und es strengt mich furchtbar an. Kann es sein, dass mein visueller Kortex in nur einer Woche alles verlernt hat? Aktives Fokussieren klappt jetzt nur noch, wenn ich meine Optikerbrille einige mm weit weg halte. Die cm Messungen sind unverändert.

    Ich wünsche dir viel Erfolg weiterhin und hoffe, dass es bei uns beiden schnell wieder aufwärts geht.

    VG, Mathias

    • Hey Mathias,

      oh nein! Das ist ja ärgerlich. Das kommt mir erstaunlich bekannt vor. Mir hat es geholfen, möglichst viel mühelos scharfe Sicht zu bekommen.

      Ich habe sogar häufiger die ersten paar Minuten Naharbeit mit meiner Fernbrille absolviert, um das Auge wieder an “so fühlt es sich an, wenn alles mühelos scharf ist” zu gewöhnen. Erstaunlicherweise hat das geholfen, dass das Auge auch im weiteren Verlauf wusste, “wo es hin sollte”, also wieder von alleine Richtung scharfem Bild gegangen ist.

      Da es aber nur eine Woche war, denke ich, dass du ziemlich bald wieder da sein wirst, wo du vor dem kleinen Unfall warst.

      Lass gerne was von dir höre, wenn es Neues gibt.

      Viele Grüße
      Boris

      • Hallo Boris,

        ich wollte mich kurz melden, wie der aktuelle Stand bei mir ist. Mittlerweile habe ich eine neue Fernbrille, die auf beiden Augen lediglich -0,25 dpt schwächer ist (davor -0,75). An den meisten Tagen komme ich sehr gut zurecht und es wird scharf. Mit der alten Fernbrille habe ich nach wie vor keine Chance irgendetwas scharf zu stellen. Mit meiner Nahbrille habe ich allerdings keine Probleme, da passt die Stärke nach wie vor. Seltsame Sache, aber solange die cm-Messung besser und nicht schlechter wird, bin ich guter Dinge und kann den kleinen Rückschritt verschmerzen. Wie sieht es denn bei dir aus?
        Gratuliere noch zur neuen Arbeitsstelle! Grüße und alles Gute weiterhin, Mathias

      • Hey Mathias,

        das hört sich doch sehr gut an. Freut mich 🙂 Welche Dioptrienzahl die Brille hat, ist im Prinzip ja nebensächlich, solange die Sehweite steigt. Früher oder später bist du dann auch wieder bei der ursprünglichen Brille angelangt. Dann aber so, dass du auch scharf stellen kannst.

        Bei mir läuft alles unglaublich langsam. Es scheint mir fast so, als haben meine Augen/mein visuelle Kortex im Laufe meiner Experimente mit zu wenig CYL-Korrektur zwei Einstellmöglichkeiten gelernt. Eine, mit der ich keine Chance auf ein scharfes Bild habe, fast egal welche Brille ich aufhabe und eine, mit der das Bild tatsächlich scharf wird.

        Ich fürchte, da muss ich jetzt durch und wieder die “richtige” Einstellung eintrainieren. klappt immer besser, allerdings sind die Verbesserungen bisher unglaublich langsam. Mal schauen, wie es weiterläuft.

        Viele Grüße
        Boris

  5. Hallo Boris,

    ich habe das Gefühl, dass du durch die gemachte Erfahrung möglicherweise offener gegenüber anderen Meinungen bist, denn es stellt sich heraus, dass es keinen Königsweg gibt, den diverse Quellen vermitteln (ich vermute, dass dich endmyopia/Jake sehr beeinflusst hat). Vielleicht überlegst du, eine Art Forum aufzumachen, damit man über die gesammelte Erfahrung und Ansicht anderer eine möglicherweise bessere Einschätzung der Thematik erhält, zumal du einige, aktive Kommentierer auf deiner Seite hast. Warum nicht das Potential nutzen?

    • Hey Dimitri,

      eine Art Forum ist tatsächlich geplant. Ich glaube, dass immer mehr Bedarf zu Austausch aufkommt und hier auch jeder wertvolle Erfahrungen beisteuern kann.

      Danke für den Vorschlag 🙂

      Viele Grüße
      Boris

  6. Hallo Boris,

    vielen Dank immer wieder, für die Tipps und Infos, für deine Offenheit, die Ermutigungen und die Sorgfalt.
    Weil wir keine breit angelegten medizinischen Studien haben, keine empirischen Untersuchungen, keine Ärzte oder Optiker, die uns genau sagen, wie das geht mit der Verbesserung (oder vollständigen Heilung!) der Kurzsichtigkeit – deswegen sind wir auf genau solche Erfahrungen und Berichte wie von dir angewiesen. Wir lernen aus deinen Erfolgen und Misserfolgen gleichermaßen.
    Bitte weiter so!

    Viele Grüße
    Ida

    • Hey Ida,

      danke für deinen Kommentar und dein Danke! Gerne 🙂

      So langsam sieht es so aus, als hätte ich demnächst wieder mehr Zeit für Brillenpanda (nachdem ich gezwungenermaßen — neuer Job, neuer Wohnort — abgetaucht bin und schon gefühlt tausende Nachrichten auf eine Antwort warten). Das heißt, demnächst schaffe ich es bestimmt noch mehr (hoffentlich hilfreiche) Erfahrungen zu teilen.

      Viele Grüße
      Boris

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